Suche
Suche Menü

Datensparsamkeit nur noch Credo der Konservativen?

Irgendwo hat mich die Netzbewegung verloren. Vielleicht ist es Selbstgerechtigkeit, vielleicht liegt es daran, dass ich schon vor zwei Jahren mein Smartphone ausgeschaltet habe und dies bis auf eine kleine Ausnahme (mein Freund, der mit großer Wahrscheinlichkeit direkt von der NSA überwacht wurde, motivierte mich, WhatsApp zu nutzen, um Nacktbilder zu schicken) nicht wieder angeschaltet habe.

Datensparsamkeit ist das “Gute Leben” der Netzpolitik. Hier geht es nicht darum, die Konzerne oder den Staat anzuklagen, hier geht es um einen Bewusstseinswandel.

Wer mich von den Grünen oder aus der Kolumne “Alles Bio?” kennt, weiß, dass ich diese selbstorganisierte, diese “Machs selbst” Politik immer auf die Schippe genommen habe, um sie auf den Müllhaufen zu werfen.

Aber nun, so einfach ist es nicht. Man kann in einer Kolumne hetzen, zuspitzen, aber jeder sollte doch wissen, dass es einen Unterschied macht, ob man sich die ganze Zeit mit seinem Gegenüber anschreit oder ob man friedlich miteinander umgeht. Man kann es sich schön machen, dann geht es einem gut, oder man macht es sich schlecht und dann geht es einem schlecht. Und wenn sich alle anschreien, oder, noch schlimmer, anschweigen, dann gibt es Krieg, wenn alle friedlich sind und nach friedlichen Lösungen suchen, dann gibt es Frieden. Das Gefühl, das Bewusstsein verändert natürlich die Welt, mir war nur zu viel davon in der Debatte und deswegen nahm ich die Gegenposition ein.

In der Frage, was politischen Wandel verursacht, das eine oder das andere, kann man von Antje Schrupps schönem Credo “Das Gegenteil ist genauso falsch” lernen. Oder von Max Plenerts E-Mail-Signatur “For every complex problem there is an answer that is clear, simple, and wrong.”

Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das gilt für das ökologische Leben, den Bio-Wandel – hier muss sich die Wirtschaft ändern. Da hat sich immer noch viel zu wenig geändert und auch, wenn man die Welt nicht mit dem Einkaufskorb rettet, so ist der Sinneswandel gegen den Klimawandel doch wichtig, denn ansonsten gibt es keinen Sinneswandel. Dieser Sinneswandel ist wichtig, damit im Kleinen weniger Energie verschwendet wird, er ist auch wichtig, damit Politiker und Wirtschaftsleute, die Entscheidungen zu treffen haben, die richtigen Entscheidungen treffen.

Genauso ist es mit dem Datenschutz. Zurzeit wird viel lamentiert, dass die jungen Leute ja eh ihr Smartphone benutzen und alles in der Cloud landet und dass deswegen die Clouds besser reguliert werden müssen, die Haftungsregeln sollen verbessert werden, alles soll verschlüsselt werden. Die Industrie soll in die Verantwortung genommen werden, der Staat soll handeln.

Das ist richtig. Aber das macht das andere nicht unwichtig.

Ich habe das Gefühl, dass nur noch die Konservativen von Datensparsamkeit sprechen. Ein Lifestyle der Privatsphäre, eine Kultur der Privatsphäre scheint für die deutsche Netzbewegung nicht hip zu sein. Warum ist es falsch, darauf hinzuweisen, dass man mit seinem Cloud-Fotoapparat Smartphone eben keine Nacktbilder machen soll? Dass man sein Smartphone besser abschaltet, wenn man sich Alkohol, Ecstasy oder GHB ins Gehirn knallt? Dass man auch ohne Smartphone und Facebook gut leben kann, dass es ärgerlich ist, wenn man gehetzt ist von vielen kleinen Nachrichten?

In ein paar Jahren wird sich zeigen, dass die wirklich erfolgreichen Leute eben nicht das ganze Internet mit dummem Gequatsche und Nacktbildern vollspammen, das wissen die wirklich erfolgreichen Leute übrigens schon heute. Man sieht sie deswegen nicht.

Ich bleibe bei meiner Meinung von 2007: Nackt – besser nicht im Netz.

PiRatHausGrüße

Blick raus

Grüße von direkt gegenüber den Blow Up, das früher mal ein Puff war, dann eine Super-Kneipe mit Zutritt erst ab 21 – wooo – heute darf man auch dort nicht mehr rauchen, danke Barbara Steffens (NRW-Gesundheitsministerin, Ex-Raucherin, Grüne). Das wird aber sicherlich nicht der einzige Grund sein, warum ich meine frühere Lieblingskneipe noch nicht besucht habe. Die Wahrheit ist simpler: ich hatte kein Geld, wollte nicht trinken und, naja, tatsächlich geht man ohne Rauch-Möglichkeit weniger in Kneipen, aber ich gehe halt generell weniger in Kneipen, wer will schon an den ökospießigen Grünen rummeckern, richtig niemand, ist jetzt auch mal durch das Thema. Read more

Jennys neuer Laden

Am Wochenende war ich noch mal bei Jenny. Schon vor einigen Wochen war ich da, bei der Schlüsselübergabe. Ich hab mir das alles schon mal angesehen, dort, wo in einigen Tagen Verkauf von edlen Sexspielzeugen und Dessous – Produkte vor allem für Frauen – stattfinden wird.

Corsage La Luxure Schaufenster

“Wir legen dann oben auch nen Kicker hin und ne Auto, Motor und Sport”, sagt Jenny augenzwinkernd. Gleichzeitig checkt sie in Sorge, ob die Verhüllung der Umkleide richtig funktioniert. Denn wer will sich schon beim Ausziehen beobachten lassen? Dies könne ein Spezialangebot für Exhibitionisten sein, der Einwand wird von Jenny und ihren Leuten nicht gelten gelassen. “Die können sich ja gerne im Schaufenster umziehen”.

Jenny sagt Nein

Vor einiger Zeit habe ich mich mit Jen, wie mein bester Freund sie nennt, in einem Bonner Café getroffen. Nach vielen Jahren in der Welt ist sie wie ich in die Stadt, von der wir beide sagen, dass sie eine der schönsten, wenn nicht die schönste Stadt Deutschlands ist, zurückgekehrt. Jenny hat Biotechnologie studiert, in dem Bereich gearbeitet und gut verdient und ist außerdem einige Jahre als Darstellerin im Feuershow-Bereich herum gezogen. Ich lerne von ihr, dass BDSM häufig gar keine Neu-Schreibung bestehender Geschlechterrollen ist, sondern ziemlich häufig einfach als Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse daherkommt – reicher alter Mann, junge gut aussehende Frau.

Aber das kann, nichts muss. Wer ist schon wo frei, wenn Geld im Spiel ist? Um Politik soll es in dem Laden nicht gehen, erzählt Jenny, die ich von der Grünen Jugend Bonn kenne. Heute ist sie “nicht mehr so links”, wie sie sagt, nicht nur, weil sie jetzt Unternehmerin sei, aber auch. Read more

Grünen-Austritt jetzt

Ja, nachdem mich ein Kommentator in diesem Blog runtergemacht hat, ich hätte ja in den Grünen keine Verantwortung übernommen, nachdem Juliane Leopold über mich im Internet herumerzählt, ich hätte nach meinem – vermutlich von allen als politischen missverstandenen – beruflichen Austritt 2012 bei den Grünen gegen Ausgetretene “geholzt”, weiß ich nicht weiter, so was Gemeines. Ich würde nie gegen Ausgetretene bei den Grünen hetzen, ich habe ja sogar seit längerem einen Artikel über sie in der Pipeline. Read more

Grüße aus dem Bonner Rathaus an Lauer und Lobo

Während andere hart arbeiten, schreibt Christopher Lauer mit Sascha Lobo ein Buch. Vermutlich geht es um das Versagen der Netzgemeinde oder der Piratenpartei. In diesem Lichte ist der Parteiaustritt von Lauer noch einmal anders zu betrachten.

Da hat sich wohl eine ziemlich große dumme Basis von einem geld- und aufmerksamkeitsgeilen Schauspieler blenden lassen. Ziemlich groß bedeutet inklusive Oliver Höfinghoff, Anne Helm und vielleicht auch Anke Domscheit-Bernd, die im Zuge der „Auflösungserscheinungen der Piratenpartei“ ihre Austritte erklären. Read more

Wie ein Habicht auf dem Sperrmüll

Schönes Bonn, schönes Bonn, schönes Bonn! Ich kann es die ganze Zeit schreien und es gibt dazu auch genug Anlass. Draußen stapeln sich die Gründerzeithäuser, der Botanische Garten ist um die Ecke und top (in diesem Garten wirkte Botanik-Legende Strasburger sowie Herr Lenné, der später in Preußen Großes vollbrachte) und ich habe zwei Berge mit Wald vor der Haustür.

Dort oben am Venusberg und am Kreuzberg gibt es zwar keine Adler, wie ich kurz angesichts der brettartigen Flügel der am Himmel kreisenden Vögel dachte, aber zumindest Bussarde oder Habichte. Read more

Ein schneeweißes Kreuzberg

Wir werden ein weißes Kreuzberg haben, ein schneeweißes, wenn nur kein Platzregen kommt heute Nacht. Vor ein paar Tagen war an dieser Stelle zu lesen, dass die Friedrichshain-Kreuzberger Grünen das Asylrecht abschaffen, jetzt wurde die dortige Cuvrybrache geräumt. Mein Freund Christian sagt, man könnte fast auf die Idee kommen, die Roma seien nicht die Lieblingsasylbewerbergruppe der Grünen, und ich komme auch auf diese Idee. Read more