Alice und der Sex

In den 70er Jahren postulierte Alice Schwarzer “weiblichen Sex” und verteufelte die Penetration. Dringend gesucht sind Belege, ob sie diese Thesen irgendwann zurückholte. So oder so wirken sie bis heute.

Es ist nicht egal: In den 70er Jahren schrieb Alice Schwarzer über Sex. Die Klitoris sei das natürliche Pendant zum Penis, und Frauen könnten auf die Penetration verzichten, der klitorale Orgasmus wäre das Mittel der Wahl.

Das ist klitorisfixiert. Als wäre Sex auf die Sexualorgane beschränkt und nicht viel mehr. Hilfreich ist es ja schon, Männer und Frauen darauf hinzuweisen, dass Reinstecken-Rammeln-Fertig es oft nicht so bringt. Die Fixierung auf die Klitoris allerdings bringt nicht weiter. Andrea Truman analysiert richtig in “Feministische Theorie”: “Alice Schwarzer fördert die Durchsetzung des Sex-Leistungsprinzips auch für Frauen”.

Schlimm auch: Schwarzers Schwanz-Schelte hat verfangen. Wer sich wie Kristina Schröder kritisch den geäußerten – und wie vermutet auch nicht stringenten – Thesen Schwarzers entgegenstellt, wird plattgemacht. “Stammtischsprache” sei das, und “inkompetent”. Als Ministerin sei Schröder “ungeeignet”.

“Die macht’s doch mit den Männern”

Auch unter Schwarzers Anhängerinnen ist es beliebt, politische Gegnerinnen unter der Gürtelllinie fertigzumachen. Mir selbst ist das passiert. Welche lästerten “Die macht’s doch mit den Männern”, oder, ganz billig: “Die denkt nur an Sex”. Ich habe mir ja im Laufe meines politschen Engagements ein dickes Fell zugelegt, aber wenn ich da nochmal drüber nachdenke, ist das unter aller Sau, was da von sich gegeben wurde und offenbart auch viel über das Denken der Absenderinnen.

Diese falsche Ideologisierung von Sex hat Schwarzer mit ihren Arbeiten vorangetrieben. So berichtet laut Andrea Truman eine “Christa”: “Ich glaube, dass die Abschaffung des Schwanzfickens unheimlich schwer sein wird”. Schwarzer selbst schreibt, der Koitus sei “entbehrlich”.

Es kann ja sein, dass der Koitus entbehrlich ist und dass er für sexuelle Lust nicht nötig ist. Er schadet aber auch nicht und es ist auch nicht nötig, so sehr dagegen zu hetzen.

Das klitorisfixierte Gerede von Schwarzer nützt nichts und schadet nur. Denn zum einen wird die Orgasmushatz noch größer und das Schweigen nach dem Sex noch kälter. “Wars schön für dich” “Ja klar”. Und zum anderen reißt die Sex-Ideologie Gräben auf, die nicht nötig sind.

Das blöde Klischee vom schwulen Analverkehr

Und verstärkt Klischees. Genauso falsch wie das blöde Klischee, das Schwule immer nur Analverkehr haben – in absoluten Zahlen sind da eindeutig die Heteros vorn – ist es auch nicht richtig, dass sich Lesben die ganze Zeit streicheln, BDSM brutal ist und Heterosexuelle immer nur Vaginalverkehr in Missionar- und Hündchenstellung haben. Sex ist vielfältiger als die billigen Klischees, die von Alice Schwarzer verbreitet werden.

Und wenn man nicht drüber redet, bleiben die blöden Klischees bis zum Sankt-Nimmerleinstag und verstärken überdies überkommene Geschlechterrollenbilder. Würde man drüber reden, wüsste man vielleicht auch, dass viele Menschen bisexuell sind (ok, das weiß man seit Kinsey), würde man drüber reden, könnte man Mainstream-Pornos und die dort vermittelten Bilder und Ästhetiken besser kritisieren. Vielleicht würde man dann auch herausfinden, dass das Internet etwas positives für freien und gleichen Sex bewirken kann.

In einer gleichberechtigten Beziehung sollte der Partner oder die Partnerin ein Interesse haben, dass Sex dem anderen auch Spaß macht. Und natürlich ist auch jeder Mensch selbst in der Verantwortung, herauszufinden und zu artikulieren, was gefällt. Nicht gleichberechtigte Beziehungen sollte es nicht geben. Gibt es sie doch, ist das nicht an erster Stelle ein strukturelles Problem mit sexuellen Orientierungen oder biologischen Geschlechtern, sondern ein Problem in der Beziehung, das kommunikativ gelöst werden sollte.

Zwar werden wir allein mit Kommunikation das Patriarchat nicht überwinden. Jedoch kann sie mehr bewirken, als es bislang versucht wurde. Das Private ist doch politisch.

Es gibt tatsächlich keinen vaginalen Orgasmus, darum sind die verzweifelten Versuche talentfreier Liebhaber dennoch einen zu verursachen, zwar noch keine Unterwerfung, weil es nur aus Dummheit und ohne Absicht versucht wird, aber immerhin: grützeblöde.

Genau. Lieber mal am Ohr saugen.

Und nächstes Mal geht’s um BDSM. Oder um Vergewaltigungsdrogen.

11. April 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: , | 55 Kommentare

Kommentare (55)

  1. Ein Partner ist ein Partner….entweder ist es ein weiblicher Partner oder ein männlicher Partner. Das ist genauso ein Femenismusquatsch, nur um DER Frau sprachlich Geltung zu verschaffen, was aber völlig überflüssig ist.

    Insofern denkt Frau Zeitrafferin in ähnlich sinnfreien Denkbahnen, wie Frau Schwarzer

  2. Ich benutze gern geschlechtergerechte Sprache, wenn es möglich und nötig ist. Hier ist es nötig. Die Behauptung, dass Frauen mitgemeint (und automatisch mitgedacht) werden, ist m.E. falsch. Und warum kritisieren Sie nicht die Beschränkung auf zwei Leute? Und was ist mit der Zweigeschlechtlichkeit? Warum haben Sie gegen diese Verkürzungen nichts einzuwenden? Polemisch gefragt.

    Zudem bitte ich bei der Sache zu bleiben und nicht persönlich zu werden. Herzlichen Dank.

    • Nein ich spreche nur von der Linguistik, und das es durch den Feminismus ala Schwarzer genau zu solchen Wortvergewaltigungen kommt. Ein Erzieher ist ein Erzieher, egal ob männlich oder weiblich (nur als Beispiel). Das und nur das war mein Kritikpunkt. Warum ich jetzt persönlich geworden sein soll, erschliest sich mir leider nicht.

      Ich wollte nur darauf hinweisen, dass Neusprech auch bei Ihnen nicht spurlos vorbeigegangen zu sein scheint und Sie, obwohl Sie Frau Schwarzer kritisieren wollen, linguistisch voll auf deren Zug aufgesprungen sind.

      • Nachtrag: :) )
        Weil es grad in meiner Timeline auftauchte.
        http://twitter.com/#!/Scytale/status/59534222511181824

        Denken Sie mal drüber nach, wenn Sie können ;) )

        • Mit Beleidigungen (“denken Sie mal nach, wenn Sie können”) und Begriffen wie “Sprachvergewaltigung” haben Sie sich als ernstzunehmende/r Gesprächspartner/in disqualifiziert.

          • Das Jajaja mit seinem Kommentar über Nachdenken beleidigend war stimmt, aber Ihre Kritik an der Verwendung des Begriffs “Sprachvergewaltigung” gibt ihm meiner Ansicht nach eher Recht, da es voraussetzt, dass Ihre Assoziation und Konnotation die Richtigen sind, denen sich auch alle anderen zu beugen haben.

            Mit freundlichen Grüßen
            Sven

  3. Leider, leider verfährt die Cluique um Alice Schwarzer immer wieder nach dem Motto. Es gibt zwei Meinungen, unsere und falsche. Dies outet sie als Ideologen, und wie so oft ist der Unterschied zwischen Ideologie und idiotie all zu marginal. Gleichzeitig ist die Verengung vom Beziehung auf Sex einfach nur traurig. Eine Beziehung kann m.E. nur funktionieren, wenn sie Gleichberechtigt ist, beim Sex (auch innerhalb der gleichberechtigten Beziehung) kann das anders aussehen, z.B. im BDSM-Kontext.

    • Hier geht es in erster Linie um Sex. Ich beziehe von Sex auf Beziehung, nicht anders herum.

      Natürlich gibt es auch Sex ohne Liebesbeziehung, auch das ist legitim, wenn es gleichberechtigt abläuft.

      • Meine Kritik bezog sich auch nicht auf den Text oben, sondern auf die Thesen von A. Schwarzer. Und natürlich gibt es Sex ohne Beziehung. Das ist auch gut so. Mich stört es nur, dass bei Schwarzer das gesamte (insbes. intergeschlechtliche) Miteinander tendentiell auf die sexuelle Ebene reduziert wird. Ich bin mit viel zu vielen Frauen (um beim intersexuellen zu bleiben) einfach nur gut befreundet, als dass ich das gut heißen könnte. Wie gesagt, keine Kritik am Text oben, der sich ja auf Schwarzer bezieht.

  4. “…das Patriarchat [...] überwinden…” – heißt das, dass es immer noch nur um “Mann oder nicht” geht, und gar nicht um “Idiot / Idiotin oder nicht”? Das wäre schade und sehr beschränkt. Für jemanden, den ich zu den denkenden Menschen zähle.

    • Herr Gallenkamp, anstatt beleidigend zu werden argumentieren Sie bitte. Ein paar Argumente (kennen Sie sicherlich, haben Sie nur kurz vergessen?)

      - Arbeitswelt
      - Medien
      - Rollenbilder

      Ich glaube nicht, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Männer und Frauen faktisch gleichgestellt sind. Und auch die Zweigeschlechtlichkeit ist nicht überwunden. Bitte realistisch bleiben. Danke.

      Ach ja: Und bitte beim Thema bleiben. Danke²

      • Mir ist jetzt nicht bewusst, wo ich mich beleidigend geäußert habe.

        Zu den “Argumenten” – was wird konkret anders, wenn das Patriarchat statistisch korrekt “überwunden” wurde? Wird dann alles besser oder einfach nur anders?

        Deswegen frage ich erneut: geht es nur um “weniger Männer” oder um einen normalen Umgang miteinander? Das hätte dann nur statistisch gesehen etwas mit Männern zu tun.

        In meiner Realität sind Männer und Frauen übrigens gleichgestellt. Es gibt aber durchaus Themen, für die Frauen besser geeignet sind. Realistisch bleiben heißt also auch, die Unterschiede nicht auszublenden.

        Da die Aussage Teil des Artikels ist, bin ich im Thema. Oder wir beide nicht. Wie so oft bei solchen Themen kommt der Geschmack auf: Lobby kommt vor Lösung.

  5. Man muss allerdings mit berücksichtigen, dass es damals in den Achtzigern noch überhaupt keine Vorstellung davon gab, dass Sex auch ANDERS als durch Penetration möglich ist. Ich war damals um die zwanzig und kann mich noch genau erinnern, wie mir durch Schwarzers Formulierungen wirklich überhaupt erst einmal klar wurde, dass Sex mehr sein könnte als sich einen reinstecken lassen. Es war wie Tomaten von den Augen fallen, denn niemals hatte mir irgend jemand etwas dergleichen gesagt. Im Gegenteil, ich hatte mehrere Begegnungen mit Männern (netten Männern, Freunden von mir), die mir ein schlechtes Gewissen machten, wenn ich sie “erst anmachte und dann nicht reinstecken ließ”. Und es war sehr, sehr, sehr, sehr schwer bis unmöglich, es damals normalen durchschnittlichen Männern zu erklären, dass das Reinstecken eventuell nicht alles am Sex sein könnte. Mir wurde, wenn ich das verweigerte, mehrmals und von vielen Seiten vorgehalten, ich sei doch “frigide”. Also ich bin wahrlich kein Fan von Schwarzer, aber diese Relativierung der Gleichung Sex = Reinstecken war sehr wichtig, jedenfalls für mich persönlich auf jeden Fall.

    • Jau. Aber ich hab jetzt nochmal die Schröder-Debatte gecheckt. Diese ideologische Meinung wurde nicht aktualisiert …. hm, aber ein wenig relativiert, sagt Bigmouth weiter unten.

      Die Erkenntnis, dass es mehr als Penetration gibt, war fur mich auch wichtig. Geschenkt! :-)

    • Liebe Antje,

      ich verstehe das ja alles und es war bei mir recht ähnlich: Lesen hat mir das vermittelt, was Mutti nicht sagen wollte oder nicht wußte. Nur habe ich eben nicht Alice Schwarzer gelesen, sondern ein gutes, altes DDR-Aufklärungsbuch. Ich fange jetzt aber nicht an den Sozialismus anbzubeten oder Siegfried Schnabl für sein Lebenswerk zu danken, sondern versuche mit dem Wissen und Wollen, meine Position in meinem Leben, in Beziehung und der Gesellschaft zu finden. Ich weiß, dass Frau Schwarzers Engagement der Verdienst zukommt, wenigstens irgendetwas in Richtung sexuelle Aufklärung der Frauen getan zu haben, es war eben nur nicht wirklich das Optimum und es sollte überprüft und modernisiert und optimiert werden. Oder kurz: Die Idee war gut, die Ausführung nicht.

      Aber das, was dem Feminismus in der BRD heute gutgeschrieben wird, hätte auch jede andere emanzipatorische Bewegung erreichen können, nur gab es die im Westen nicht (Antikommunismus etc.). Dass man Alice Schwarzer hat machen lassen, war schlicht dem Grundgesetz geschuldet, denn es konnte ihr nicht mehr verboten werden.

      Ich finde diese Genauigkeit zum Wert der Erfolge einer Frauenbewegung wichtig, weil es dann nämlich möglich ist, aus Alice Schwarzers Schatten herauszutreten und etwas neu zu denken, was sie eigentlich schon gelöst haben will und wir vor Dankbarkeit leider immer noch ganz lahm sind.

  6. ich persönlich finde das rein-raus-spiel ja eher langweilig und erinnert mich zu sehr an fortpflanzung was als vorstellung sex nicht gerade sexy macht. lustvollen sex vom reinen fortpflanzungssamenindieweltverbreitungsakt zu trennen ist durchaus auch ein verdienst der feministinnen dessen früchte ich als mann jetzt auch essen kann. penetration ist nur eine spielart die oft geil ist weil verschmelzung und so oder auch macht und so – oft aber auch einfach nur nervig und anstrengend ist. insofern mal ein danke an die alice schwarzer!

  7. Das sollte ich jetzt wohl bei Isis’ Weltblog hinterlassen…

    Von wegen “tatsächlich keinen vaginalen Orgasmus”, je nun, wer maßt sich an, zu sagen, welche Orgasmen es gibt und welche nicht? Sicher, die olle Unterscheidung vaginal/klitoral kann man getrost mal weglassen, aber nicht weil es entweder nur den einen oder den anderen gibt, sondern alle möglichen Arten der Orgasmierung.

  8. Denke da ähnlich wie Antje Schrupp. Es ist wichtig, diese Aussagen von Alice Schwarzer im Zeitkontext zu sehen. Damals war es ein erster Denkansatz in eine neue Richtung, und half wirklich weiter. Jetzt natürlich völlig überholt – bzw. sehr viel komplexer und differenzierter abzuhandeln. Als Basis eignet sich “einvernehmlich” oder ähnliches ganz gut. Von dort aus – meine Güte – grenzenlos.

  9. Gute Analyse, absolut richtig in der Sache. Aber wo ich unsicher bin ist folgender Aspekt daran: ein über Jahrhunderte formiertes nicht gerechtes System wird sich nicht durch bisschen reden und Partnerschaftlichkeit auflösen. Daher bezieht die Quote Ihren Sinn – obwohl sie natürlich ein höchst absurdes und in sich total widersprüchliches Instrument zur “Herstellung” von Geschlechtergerechtigkeit ist. Was hat das jetzt mit diesem Thema hier zu tun höre ich Dich schon fragen…?
    Wenn man tief sitzende Ungerechtigkeit und Schiefe nur durch absurde und widersprüchliche (Zwangs-)Massnahmen auflösen kann, wie müsste dann ein Diskurs über Sexualität aussehen?
    Bekommt da die Scharzersche Schwanz-Argumentation nicht doch auf einmal Ihren Sinn?

    Wenn man so will – gerade, dass so ein Text wie Deiner hier provoziert wurde, also ein Bekenntnis zu vielschichtiger (sic) Sexualität und ein Aufkündigen von Stereotypen etc. könnte eine Legitimation der Schwarzerschen Haudrauf-Logik sein. Oder?

  10. Na, es geht ja nicht (nur) um mehr Gespräche in der festen Zweierbeziehung.

    Und eure Ideen sind gefragt – nur weiter!

  11. (Erster Satz moderiert: nicht hinnehmbare Feindlichkeit ggü Schwarzer) Unterhaltsam find ich eigentlich nur, dass es Frauen gibt die Schwarzers Blödsinn nachrennen und sich selbst aus jeder politischen und gesellschaftlichen Diskussion hinauskatapultieren. Vom Sex mal abgesehen ist Feminismus wie Schwarzer ihn immer noch Propagiert wohl eine ähnlich anzustrebende gesellschaftliche Meisterleistung wie ein reines Patriarchat. Streng genommen ist ihr Gelaber sogar förderlich. Die Zeit der radikalen Ideen ist vorbei, dafür sind Frauen inzwischen zuweit “akzeptiert”, wobei es das Wort nicht trifft – sie werden wahrgenommen und als gleichwertig anerkannt. Das das noch nicht immer und überall der Fall ist spielt keine Rolle. Das ist ne Frage der Zeit und wird sich noch durch 2, 3 Generationen ziehen, aber dann hat sich der Keks auch gegessen. Fair? Sicherlich nicht, aber “ihr” habt bereits gewonnen, lasst euch das nicht von (Beleidigung) wie Schwarzer zerstören.

  12. Ich denke, dass digiom und Antje fast schon alles gesagt haben.
    Zum einen ist es wichtig den zeitlichen Kontext nicht außer acht zu lassen. Befremdlich wird es für mich erst, wenn das “Weg vom Rein-Raus-Gerammel”, dass absolut zu befürworten ist und in den 80ern sicher bahnbrechend und provokativ war (Sorry, wasn’t there!) zu einer Verdammung des penetrativen Akts an sich (Mann, klingt das unsexy…) wird. Will sagen: Man sollte aus der Erkenntnis, dass die Klitoris existent und großartig ist, nicht schließen, dass der Schwanz an sich böse ist.

    Des Weiteren finde ich die Aussage, dass es “tatsächlich keinen vaginalen Orgasmus” gäbe, anmaßend und überheblich. Wenn Sex wirklich Kopfsache ist (wovon wir ausgehen), wer kann dann wirklich sagen, wie viele Spielarten von Orgasmus es gibt und sich erdreisten zu entscheiden welche die richtige ist?

    Wie steht Frau Schwarzer eigentlich zu Rimming? Welche Stellung nimmt es im Machtgefüge der zweigeschlechtlichen Sexualität ein? Mag sie mal jemand fragen?

    • Wie steht Frau Schwarzer eigentlich zu Rimming? Welche Stellung nimmt es im Machtgefüge der zweigeschlechtlichen Sexualität ein? Mag sie mal jemand fragen?

      Eieieiei! :-)

      Wer macht’s? Freiwillige vor!

  13. Ich weiß ja nicht wie’s anderen Leuten ging, aber obwohl mir die Erkenntnis “sex ist mehr als Penetration” bekannt war, hatte ich einen entscheidenden Paradigmenwechsel im Verständnis des weiblichen Körpers beim untenstehenden Interview (Tania Martini interviewt Mithu Sanyal, “Die Vulva rettete die Welt”, taz 03.03.2009)

    “…was mich [...] geärgert hat, ist, dass das lateinische Wort Vagina für Scheide von Anatomen im 16. Jahrhundert deshalb gewählt worden ist, weil sie sich überlegt haben, wofür das Ding gut ist: Das Ding ist dafür gut, dass der Mann da sein Genital reinstecken kann.”

    http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&dig=2009/03/03/a0115&cHash=f81ff26acb

  14. An @dedalusroot – ich liebe das Internet! Schau mal hier, da hat schon jemand (eine) Alice gefragt, was Rimming ist:

    http://www.goaskalice.columbia.edu/1414.html

    • but it should be in german! for that generation that is not able to understand the language of the internet: (bad) english!

      danke für den link :-)

    • Großartig! Genau deswegen liebe ich das Netz… :-D

      Allein der Satz “Our bodies contain a rainbow of pleasure potential. Even seemingly unlikely body parts can be intense pleasure centers when fully aroused” ist Gold wert.

      And now imagine the mind being fully aroused by whatever it is, that arouses that specific individual…

      Dann sind wir endlich ganz weit weg, von dieser abtrusen Penetrationsdebatte und kommen langsam dahin, wo wir hin wollen.
      Dabei spreche ich übrigens nicht von Langhans’schem Tantra-Gedöns oder Esoterik-Firlefanz, sondern von sämtlichen Spielarten und Praktiken des Sex, soweit sie keine strafrechtliche Relevanz haben und von allen beteiligten Parteien gut geheißen werden.

      Wir haben Frau Schwarzer sicher einiges zu verdanken, gleiches gilt für Franz Beckenbauer. Trotz allem würde ich ihn nie wieder eine Nationalmannschaft trainieren, geschweige denn ihn Fußball spielen lassen. ;-)
      Das hindert ihn aber irgendwie nicht daran zu allem, was er relevant findet seine Meinung zu äußern.

  15. In einer gleichberechtigten Beziehung sollte der Partner oder die Partnerin ein Interesse haben, dass Sex dem anderen auch Spaß macht.

    Absolut korrekt! Und deshalb kann ich auch sicher sein, ein wesentlich besseres Sexualleben gehabt zu haben als (egal wer).

    Oft könnte man meinen, Feministinnen wollen manche Voll-Assi-Männer einfach mal in Sachen Machismo übertreffen, nur von der anderen Seite aus. Ich musste einmal einem halben Dutzend grüner Frauen in der letzten Reihe bei der kritischen Beurteilung ihrer männlichen Parteikollegen zuhören. So krassen Sexismus habe ich in meinem männlichen Freundeskreis noch NIE in der Form erlebt.

    Mit Frau Schwarzer ist der “Feminismus” weit über das Ziel hinaus geschossen und macht sich lächerlich.

  16. wär’s nicht mal ganz sinnvoll, schwarzers bücher mal im original zu lesen, statt immer nur über trumann zu zitieren?

    es soll übrigens durchaus frauen geben, die durch reizung der inneren schamlippen, g-punkt (also tatsächlich in der vagina, die alice schwarzer ja als empfindungsunempfindlich beschreibt – was aber wohl höchstens auf den hinteren teil zutrifft) usw zum orgasmus kommen – wobei da vielleicht die indirekte reizung der klitoris wichtig ist – die ist ja ziemlich groß unter der haut. aber direktes losgehen auf den kitzler ist gar nicht unbedingt notwendig bei allen frauen

    • wär’s nicht mal ganz sinnvoll, schwarzers bücher mal im original zu lesen, statt immer nur über trumann zu zitieren?

      Ja. Mach ich jetzt wohl mal.

      Konnte ich ja nicht wissen, dass mir niemand anderes, der/die das gelesen hat, was reinzitieren will. Wofür haben wir es denn, dieses Internet!

  17. immerhin ist ’87 in der EMMA dieser artikel erschienen, der Schwarzers these von der empfindungslosen vagina deutlich relativiert:

    http://www.emma.de/index.php?id=die_potente_frau_10_87

    rhetorisch aber so hergebügelt, dass alles am vaginaleingang als “tiefer liegender Teil des klitorialen Systems” bezeichnet wird….

    • Hm, das von 1987 ist ja dann auch das, das ich kritisiere. Gleichsetzung mit Schwanz. Schwanz-Muschi-Fixiertheit. Technische Sichtweise.

      Danke!

      Aber vermutlich war das das Thema des Artikels (der nicht von Schwarzer ist). Wie die anderen schon meinten: Aufklärung, zur damaligen Zeit passend. Heute nicht mehr.

      Und das Ende ist doch ganz schön:

      Der Mythos von der natürlichen Passivität und Hingabebereitschaft der Frauen einerseits und der natürlichen Aktivität und Potenz der Männer andererseits ist eine Lüge des Patriarchats. Frauen sind rein körperlich auch im sexuellen Bereich den Männern gleich. Und rein seelisch werden sie es mehr und mehr sein. Sie werden selbst bestimmen, wie ihnen gerade zumute ist: Mal unten und mal oben, mal passiv und mal aktiv, mal hingegeben und mal potent.

      Meine Kritik berührt das jedoch nur am Rande, da die Position ja grundsätzlich nicht sonderlich anders ist als kritisiert, zweitens haben wir nicht mehr 1987 und drittens ist das nicht von Schwarzer.

  18. Pingback: Antje Schrupp, Fortschritt, Magda - Katrin Rönicke

  19. Ich danke für´s Verlinken.

    Und ja, tatsächlich, auch wenn die Lust der Frauen in der Klitoris wohnt, so ist der Vaginalverkehr doch noch lange nicht “entbehrlich”, denn a) werden so die Kinder gemacht und b) kann es eine Art Vorspiel sein, das nur unbefriedigend ist, wenn es dabei bleibt wie übrigens jedes andere auch Ansonsten ist im “Schwanzficken” soviel Unterwerfung drin, wie beim Nasebohren oder Zehennuckeln. Muß frau halt gucken, was sie anmacht und darauf achten, dass es nicht bei seinem Vergnügen bleibt und auch sie auf Befriedigung erlangt.

    Gänzlich auf Vaginalverkehr verzichten (wenn man denn sich ermutigt fühlt, darüber nachzudenken, ob frau es überhaupt sollte) sollte frau nur, wenn sie keine Kinder will und sowieso keinen Sex mit Männern. Die meisten Frauen sehen aber in beidem auch ihren Ausdruck gelebter Selbstbestimmung und wollen nicht verzichten. Heterosexualität und Kinderwunsch sind keine Emanzupationshemmnisse.

    Die Rede von der Unterwerfung durch “Schwanzficken” finde ich aber vorallem sozialschädlich, weil der männliche Schwanz als Waffe geschildert, dämonisiert wird, was ihn größer und gefährlicher werden läßt als er im zwischenmenschlichen Miteinander ist. Und welche Frau will denn schon gern mit einer geladenen “Waffe” spielen? Und wie geht es Männern damit, zum Beispiel Pazifisten?

    ;)

  20. Hier zum Nachlesen Alice Schwarzers Artikel “Penetration” aus der EMMA April 1977:
    http://www.emma.de/hefte/ausgaben-1977/april-1977/penetration-4-770

  21. dass schwanzpenetrationssex automatisch aktiv sein soll und die frau automatisch dabei die passive empfängerrolle übernimmt halte ich für eine gewagte these. ich lasse eigentlich ganz gerne meinen schwanz von frauen “benutzen” ohne dass ich besonders aktiv dabei bin :) davon abgesehen behaupte ich einfach mal ganz steil dass männer sich genauso gerne von frauen penetrieren lassen wie umgekehrt. da ist nur noch einiges an männlicher emanzipation zu leisten um das zuzugeben ;)

  22. Hm, liebe alle. Sollten wir ein Sex-Pad eröffnen? Oder ist das zu kleinteilig?

  23. Interessanter Artikel. Im kürzlich erschienenen Roman “Pornos machen traurig” lobt sogar ein männlicher Autor Alice Schwarzer …

    Regina

    • Hallo Regina,
      Mögen Sie vielleicht noch ausführen, warum Pornos “traurig machen”? Und warum es ein besserer Ansatz ist, sie zu ignorieren (so verstehe ich Ihren Beitrag), anstatt die darin vermittelten Bilder zu kritisieren?

      Vielen Dank!

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  25. mädel, hör endlich mit diesem dämlichen schwarzer-bashing auf. du hast keine schimmer über die 70er und 80er, geschweige denn über den feminismus.

  26. Sorry, was für ein komplett unsinniger Post. Die Klitoris ist nunmal das zentrale Organ für die weibliche Lusterfüllung, und rein biologisch das Pendant zur Eichel. Das unterschreibt dir jede/r BiologIn. Das ganze Penetration = passiv Gerede in der Emma würde ich auch verneinen, aber der Artikel aus dem Jahr 1977 ist ganz klar innerhalb seiner Zeit zu lesen, ebenso ähnliche Passagen aus “Der Kleiner Unterschied”. Da musste die Klit eben erstmal promotet werden und viele Frauen hatten ein unbefriedigendes Sexualleben, weil weibliche Lust ein großes Tabuthema war und sie nicht wussten wie es geht, bzw. die Männer er nicht wussten und es nicht artikuliert wurde. Das wird alles durch die großen wissenschaftlichen Umfragen dieser Zeit (Kinsey-Report, Hite-Report) bestätigt, bzw. Schwarzer bezieht sich selbst darauf. Ist doch super, Sex nicht nur als Rein/Raus zu denken. Warum arbeitest du dich an diesen Uralt-Diskursen ab? Grübel …

  27. Pingback: O(h)rgasmus zum Sonntag « Fuck Barbie!

  28. Sollte nicht normalerweise die klitoris von den dagegenstoßenden hodensäcken stimuliert werden wenn man es ‘wie die säugetiere’ also in hündchenstellung macht? Ich denke die natur hat sich schon ihren teil dabei gedacht.

  29. @girls_them_sugar: seit wann denkt natur? was ist natur?

  30. Ach Gottchen. “Klitorisfixiert”? “Orgasmushatz”? Versucht da etwa eine Hetera zu verbergen, dass es mit dem Orgasmus vielleicht doch nicht immer so klappt, wie es soll? Ich habe selten so eine offensichtliche Rechtfertigung für gescheiterte Heterosexualität gelesen wie diese hier.

    Der Feminismus hätte so eine schöne Lesbenbewegung werden können, nur dann kamen die Heteras mit ihren Orgasmusschwierigkeiten, ihrem Männerhass und ihren ständigen ungewollten Schwangerschaften (was für eine Ironie) und führten solche Teufelswerke wie Pille und Abtreibung ein, die sie heute selbstgerecht als ihr “Recht” als “Frauen” (sprich: Heteras) bezeichnen. Nur gut, dass ihr jetzt offenlegen müsst, wer euch “den Schwanz reingesteckt” hat und euch ein Kind gemacht hat. Wer Sex mit Männern hat, soll auch die Konsequenzen tragen. Hetero-Sex ist kein Menschenrecht.

    Das soll jetzt aber alles nicht gegen Männer gehen. Ich glaube nicht, dass eine Frau sich unterwirft, wenn sie sich penetrieren lässt. Eher ist die Penetration eine Folge der Unterwürfigkeit dieser Frau – und auch der meistens daraus NICHT resultierende Orgasmus. Das liegt aber, wie gesagt, nicht am Mann. Diese Frauen hätten vermutlich dieselben Probleme, wenn sie mit (erfahrenen) Lesben ins Bett gehen würden. Heteras sind einfach nicht dazu gemacht. Das ist der kleine Unterschied zwischen uns und euch.

    Insofern: Hurra für Alice Schwarzers Hetero-Bashing! Die letzte, die euch noch zeigt, wo der Hammer hängt (auch wenn sie letztenendes selbst eine von euch ist).

  31. Was ist eigentlich mit Frauen, die klitorale Stimulation total unangenehm empfinden – egal ob Selbst- oder Fremdstimulation?

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