Spalten bringt manchmal mehr

Das Missy Magazin, eine Bloggerin und die EMMA haben bekanntgegeben, eine “Spaltung der alten und neuen Feministinnen” überwunden zu haben. Nach Angaben der Beteiligten würde diese Spaltung dazu führen, dass man sich nicht mehr über Inhalte streite. Ein Zwischenruf.

In Sektlaune soll es entstanden sein, das Interview. Hip und lustig haben sie “Kein Bock auf Spaltung”. Vom aktuellen Titelblatt der Feminismus-Zeitung Nummer 1 in Deutschland lacht Alice Schwarzer im Kreise von jungen und alten Journalistinnen, darunter eine Bloggerin. Sie haben sich auf Initiative der Bloggerin und auf Einladung der EMMA getroffen, um mal über die Differenzen zwischen dem jungen und dem alten Feminismus zu plaudern. Und sagen dann, was Frauenpolitikerinnen schon seit Jahren sagen: dass die Differenz zwischen “neuen” und “alten” Feministinnen nur ein von den Medien konstruierter Unterschied ist.

Den kleinen Unterschied macht das zweite, was sie sagen: “Es hat ja im Feminismus immer schon verschiedene Strömungen nebeneinander gegeben”. Schon vor vielen Jahren gab es neben Alice Schwarzer andere. Und Schwarzer ist nicht die einzige.

Dummerweise haben Missy Magazin und die Bloggerin eines übersehen: Mit ihrer Aktion stärken sie nur die Strömung Alice Schwarzer und ihre rechtsautoritäre Frauenpolitik.

Alice Schwarzer hat Großartiges geleistet

Zwar hat Alice Schwarzer mit ihrem Engagement für die Streichung des Paragrafen 218 Großartiges geleistet und auch heute stehen in der Emma ja nicht nur Texte über Pornos, BDSM, Vergewaltigung und Prostitution. Es finden sich Debattentexte zur konstruktiven Einbindung von Männern in Geschlechterpolitik darin, Texte über Körperbilder, Reproduktionsmedizin, das neue Unterhaltsrecht, den gleichen Lohn, Frauenquoten. Alles, was wichtig und richtig ist.

Gleichwohl: Alice Schwarzer als Protagonistin des deutschen Feminismus zu stärken, ist grundfalsch.

Alice Schwarzer vertritt zum Islam Positionen, die an Sarrazin-light erinnern und die Islamfeindlichkeit in diesem Land schüren. Leider sind solche Positionen bis in die politische Linke eingesickert, man denke an die Minarett-Abstimmung in der Schweiz oder an frauenpolitische Argumentationen in den letzten Jahren, “man müsse doch auch mal was gegen den Islam sagen dürfen”.

Emma ist immer wieder tendenziös bei den Themen Pornografie und Prostitution. Dabei operiert sie gern mit Einzelfällen. Nicht zuletzt schreibt Schwarzer für die BILD beim Kachelmann-Prozess, hat Jörg Kachelmann vorverurteilt – wenngleich die Gerichtsreporterin des SPIEGEL wenig besser war – und scheint an sich wenig auf die Werte des demokratischen Rechtsstaats zu geben.

Sexorgan drücken, Fummeln, Orgasmus, fertig

Ihre Behauptung, dass heterosexueller Sex stets in einer Unterwerfung der Frau besteht, ist absurd. Schwanzfixiert schimpfte sie auf die Penetration und forderte “weiblichen” Sex, nämlich den klitoralen Orgasmus, “denn die Klitoris ist das Pendant zum Penis”. Das ist ein genauso plattes Denken über Sex wie sie es den Männern vorwirft. Sexorgan drücken, Fummeln, Orgasmus, fertig.

Richtig ist, sich umfassend sexistische Unterwerfungsmechanismen in unserer Gesellschaft anzusehen und anzuerkennen, dass diese von großer Bedeutung sind. Richtig ist auch, dass diese sich in Pornografie medial reproduzieren.

Falsch ist es aber, Pornografie deswegen per se zu verurteilen, so wie es sich seit der PorNo-Kampagne nicht geändert hat. Es gibt zarte Ansätze von (queer)feministischer Pornografie, Selbermach-Pornos, Peer2Peer-Pornos. Das Problem ist die ausbeuterische Pornoindustrie, stupid! Wenn Frauen, so wie in der letzten Emma behauptet, im Pornobusiness planmäßig ausgebeutet, schlecht bezahlt und in ihrer körperlichen Unversehrtheit bedroht sind, dann liegt das daran, dass sie – zum Beispiel als Alleinerziehende – gezwungen sind, sich dem Porno-Arbeitsmarkt zu unterwerfen, weil sie aus den unterschiedlichsten Gründen auch immer keinen anderen Job gefunden haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Die aktuelle Geschichte zur Porno-Industrie “Der Traum vom Porno-Star” wurde im Netz einem schnellen und keinesfalls ausreichenden, Faktencheck (PDF) unterzogen. Darin wird deutlich: offensichtlich hat sich Schwarzer einen krassen Einzelfall gesucht, um ihre These zu untermauern. Solider Journalismus sieht anders aus.

Die Spaltung verläuft nicht zwischen jung und alt

Alice Schwarzers Feminismus ist also kritikwürdig. Eine Spaltung tut not und ist auch da. Die Spaltung verläuft nur nicht zwischen jung und alt, sondern zwischen Feminopopulismus und der feministischen Kritik mit einem scharfen Blick auf sonstige Unterwerfungsmechanismen – durch den Arbeitsmarkt, durch ungleiche Liebes- und Familienbeziehungen oder durch nationale Besonderheiten wie dem starken Mutterbild in Deutschland. Wer wie Schwarzer Feminopopulismus betreibt, verliert den scharfen Blick. Und wer Schwarzer unterstützt, unterstützt auch diese entleerte, auf Medienfeedback – und nicht auf Emanzipation – orientierte Politik.

31. März 2011 von julia
Kategorien: Kapital, Kultur | Schlagwörter: , , | 71 Kommentare

Kommentare (71)

  1. Ich verstehe die Kritik. Vorweg schicken will ich auch: die Position Schwarzers zum Islam kann ich nicht einschätzen, dazu fehlt mir eine Menge Wissen.
    Die Debatte um den Großteil der (tendenziell frauenverachtenden) Pornographie wird meines Wissen doch nur in der EMMA geführt, ohne EMMA würden doch noch nicht mal andere Meinungen wie die Deine diskutiert werden. Im Missy Magazine wird dagegen ein anderer Umgang mit Porno und Sexualität beschrieben. Ist doch gut, wenn durch ein EMMA-Interview auch darauf (indirekt) Aufmerksamkeit gelenkt wird.
    Ich halte es wirklich für gut und notwendig, dass sich ältere und jüngere FeministInnen, wenn auch nur symbolisch, zusammentun. Eigentlich ist es bedauerlich, dass es so ist, aber es hat meines Erachtens einen eigenen Wert, wenn irgendwie Einigkeit präsentiert wird.
    Es gibt derzeit keine soziale Bewegung mehr, die sich für feministische Ziele einsetzt. Die fehlt einfach.

    • Hm, aber das mit den “neuen” und den “alten” Feministinnen haben wir doch schon vor zwei, drei Jahren “abgeräumt”. Und von vielen älteren Frauen wurde mir immer wieder gesagt, dass man “schon vor langer Zeit” auch andere Denkschulen und Protagonistinnen als Schwarzer hatte. Deswegen kann ich die Aktion nur als Stärkung der Schwarzer-Position verstehen.

      Ein Zitat dazu aus dem Interview, das ich .. eigentlich erschütternd fand:

      Schwarzer: “Feminismus ist keine Bewegung mehr, sondern ein Bewusstseinszustand” Missy: “Genau!”

      • Liebe Julia. Wenn das schon vor drei Jahren “abgeräumt” wurde, wie du schreibst, wie kommt es dann, dass wir immer noch in jedem zweiten Interview danach gefragt werden und eine Steilvorlage geliefert bekommen, um uns auf Kosten der EMMA (alternativ Schwarzer) zu profilieren?

        Dass es in der Frauenbewegung damals sehr viel mehr Protagonistinnen und Medien gab als nur Alice Schwarzer und die EMMA, wissen wir doch auch. Verweisen wir auch immer wieder gerne drauf und stellen diese Positionen in Missy am laufenden Band vor – eben um dem falschen Eindruck entgegenzuwirken, Zweite-Welle-Feminismus in Deutschland sei = Schwarzer und EMMA. Aber müssen wir die EMMA deshalb ignorieren?

        Das obige, von dir gebrachte Zitat mit dem Bewusstseinszustand bezog sich im Kontext der Interviews darauf, dass im Gegensatz zu uns, die wir uns sehr bewusst und mit gutem Grund als Feministinnen definieren, viele Frauen unserer Generation das nicht mehr tun – obwohl sie geprägt durch die Errungenschaften der Frauenbewegung eigentlich feministisch denken und handeln. Wir freuen uns auch nicht unbedingt darüber, dass das so ist, weil wir es nach wie vor für notwendig halten, sich zu dem Begriff zu bekennen, real existierende Ungleichberechtigung zu thematisieren und als Bewegung dagegen vorzugehen. Aber als Beschreibung der derzeitigen Situation im Mainstream entspricht das aber ja durchaus der Realität.

        • denken und handeln sie so? haben wir den allzu positiven interpretationen der allmedinger-studien nicht immer widersprochen? dass die jungen denken, sie wären frei, ist ja bekannt. aber sie handeln doch nicht feministisch. stichwort gläserne decke. da hat sich doch nicht viel verhändert – nein, wir haben kein “feministisches bewusstsein” (was auch immer das ist, so ein gemeinsames bewusstsein …)

          und ist nicht auch die Angst, als “Feminist/in” gebrandmarkt zu werden, auch etwas von gestern? bzw. etwas, was man sich zumindest seit dieser “neuer Feminismus” Debatte nicht mehr anziehen sollte? Und man erinnere sich doch mal: der spanische Ministerpräsident bezeichnete sich vor Jahren schon als “Feminist”.

          Chris, und du siehst die Aktion also weiterhin als Erfolg? Was sollen da für inhaltliche und institutionelle Impulse rauskommen, wenn man mal fragen darf? (wenn ich dich gerade mal an der “Strippe” habe)

          • Zumindest haben wir da eine Generation junger Frauen, die nicht mehr der Ansicht sind, durch ihr Mädchen- oder Frausein irgendwie eingeschränkt zu sein oder “etwas nicht zu können”. Dass sie es dann ab einem bestimmten Punkt (Kinder, gläserne Decke usw.) in der Realität doch wieder sind, ist natürlich das Problem, das sehe ich doch genau so wie du. Und deswegen tut Politisierung auch wieder Not, “sich gleichberechtigt fühlen” reicht eben nicht. Das war hier gemeint.

            Ob die Aktion ein Erfolg war: das hängt wohl davon ab, was jetzt noch kommt. Wenn wir es von hier schaffen, zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung überzugehen, dann vielleicht schon.

    • Also, Julia, ich frag mich, was du da verbreitest. Klar darfst du die Positionen von Alice Schwarzer zu kritisieren. Nur: Welche Positionen hat sie denn eigentlich zu den Themen, die du da kritisierst? Davon scheinst du echt keinen blassen Schimmer zu haben. Nur drei Beispiele:

      1.Ihre angebliche „Sarrazin-Light“ Position zum Islam. Schwarzer hat sich noch nie zum Islam geäußert (wie auf ihrer Website und ihren drei Büchern zu dem Thema nachzulesen ist), sondern den islamischen Fundamentalismus kritisiert – genau wie den christlichen Fundamentalismus.

      2.Ihre angebliche Behauptung, heterosexueller Sex sein immer eine „Unterwerfung der Frau“. Wo steht das bitte? Es stand im Spiegel-Interview mit Frau Schröder, da hast du es offenbar einfach nur abgeschrieben. Bei Alice Schwarzer selbst steht das nicht. Sie analysiert die Funktion von Liebe und Sex zwischen Männer und Frauen als kulturelle Zwangsheterosexualität, sowie der Aufklärung über den weiblichen Körper.

      3.Die Emma schreibe „tendenziös“ über Pornographie und Prostitition. Auch falsch. Sie schreibt mit einer bestimmten Haltung und stellt dabei die Frage nach der Menschenwürde. Das ist nicht “tendenziös”, sondern das ist eine politische Haltung.

      Bevor du in Zukunft irgendwo abschreibst, kleiner Tipp: Lies doch einfach mal das Original!

      • 1) Sarrazin-light: Schwarzer hat ein Buch und Artikel in der WELT geschrieben. Ich habe sie zum Thema auch schon beim Bundeskongress der Grünen Jugend reden hören (Ende 2004) und in diversen Talkshows.

        2) Das steht im “Kleinen Unterschied”. Ich habe das dem Buch “Feministische Theorie” von Andrea Truman entnommen. Ich lese sicherlich noch das Original.

        3) Die Emma schreibt tendenziös über Prostitution und Pornografie. Man kann es auch Kampagnenjournalismus nennen.

        Deinen Hinweis, ich möge mehr Bücher lesen, habe ich bereits aufgenommen :-)

        • 1. es geht tatsächlich um fundamentalismus, den sie im übrigen genauso bei den christen angreift. gibts da auch was dagegen?
          2. auweia, du kannst doch nicht ernsthaft ein buch was in den 70ern veröffentlicht wurde, wo eine frau noch nicht mal alleine ein cafe betreten durfte ohne schief angeguckt zu werden im heutigen kontext kritisieren…
          3. “Nach unserer Definition ist Pornografie ausschließlich „die Verknüpfung von sexueller Lust mit Lust an Erniedrigung und Gewalt“- tja, vielleicht solltest du mal persönlich an die emma herantreten und sie fragen ob sie darüber nicht ein wenig positiver schreiben könnten…

      • @sara:
        Heteronormativitätskritik als ein Thema der EMMA zu benennen halte ich aber für einen ganz schlechten Witz!
        Vielmehr wird an den meisten Stellen eine extrem essentialistische Position zu Sexualität vertreten sowie eine nervig selbstgerechte Normierung vorgenommen, der dann durch Zuhilfenahme von irgendwelchen eh schon sehr fragwürdigen Psychoanalytikerinnen (Margarete Mitscherlich) ein “wissenschaftlicher” Anstrich gegeben wird.
        Was sich bei EMMA unter dem Stichwort “Sexualität” versammelt wird eigentlich konsequent pathologisch abgewertet. Wer nicht so fühlt, wie in der EMMA vorgeschlagen, ist ein pathologischer Fall und auf jeden Fall Opfer von irgendwas. Eine, in irgendeiner Weise, empowernde Sicht gibt es dort gar nicht, was natürlich an der “problemorientierten” Darstellungsweise liegen könnte (über die Sachen, die toll sind, muss eine ja gar nicht reden, sonst ist’s am Ende gar noch pornografisch!)
        Die EMMA produziert mit ihrer pathologisierenden und entmündigenden Rhethorik Ausschlüsse, maßt sich eine nicht-legitime Fürsprecherinnen-Rolle (im Sinne von “über wen”-Sprechen) an und trägt damit eher dazu bei, die Situation von Frauen_ in marginalisierten Positionen zu verschlechtern. (Stichwort “Sexarbeit”: eine solidarische Position wäre es eine Entdramatisierung der Thematik zu ermöglichen, damit Arbeitnehmer_innenrechte erkämpft werden können, um die Ausbeutung zu beenden, die EMMA macht mit ihrem Exploitation-Journalismus das Gegenteil.)
        Eine politische Haltung, ja sicher meinetwegen, die haben ja alle auch irgendwie, aber eine herrschaftskritische und solidarische, die sich über die Unterschiede und Handlungsmöglichkeiten der Personen innerhalb der “Gruppe der…” bewusst ist?

  2. Hm, ich weiß nicht – Die Frage ist doch, wie die inhaltlichen Differenzen am besten ausdiskutiert werden. Und da finde ich das Argument, dass das Mediengetue um die “Spaltung” zwischen diesen und jenen Feministinnen die inhaltliche Debatte eher behindert als befördert, schon bedenkenswert.

    Die Frage wäre nun natürlich, was in dem kompletten Gespräch gesagt wurde. Also ob die Themen und die Kritik an Schwarzer, die du ansprichst, dabei von “Missy”-Seite auch klar ausgesprochen worden sind. Davon würde ich mein Urteil über den Erfolg dieses Versuchs, sich zusammenzusetzen, abhängig machen.

    Aber das ganze Interview gibts (bisher?) wohl nur im Print, oder?

    • Hallo Antje,
      bei Facebook las ich nur ein Statement zum Interview – “misslungen” sei es. Ich habe es soeben per Mail geschickt bekommen und werde es ganz lesen.
      Die Aktion an sich verdient aber schon eine Stilkritik wie diese.
      LG
      Julia

  3. Es ist meiner Meinung nach auch eher ein Übertünchen der Differenzen. Eine sachliche Diskussion über diese wäre sicherlich besser.

  4. Einen Feminismus, der sich zu den frauenfeindlichen Strömungen im Islam nicht äußert, bloß weil er angeblich noch nicht genug gegen die frauenfeindlichen Strömungen im Christentum gesagt hat und sich deshalb erstmal lieber zurückhalten soll – so ein Feminismus wäre nicht meiner. Warum sollte westliche Religionskritik am Islam hinter westlicher Religionskritik am Christentum oder westlich-muslimischer Religionskritik einer Irshad Manji zurückfallen?
    Mit genau dieser Argumentation hat man in den 70/80er Jahren in den USA schon versucht, feministischer Kritik an afro-amerikanischem Männerkult im Keim zu ersticken – sehr zum Schaden der afro-amerikanischen Frauen, die plötzlich ganz ohne BündnispartnerInnen dastanden.

    Viel schlimmer als die Überbewertung von Pornographie (definiert als frauen-/menschenverachtende, gewaltverherrlichende sexualisierte Darstellung) finde ich den Mangel an Diskurs zu den Problemen des Alltags: Belästigungen im öffentlichen Raum z.B.. Oder den wiedererstarkenden Biologismus auch im Rahmen der etablierten Naturwissenschaften. Die tatsächlichen Auswirkungen der neuen Formen des Zusammenlebens (wie von Antje auf Frau Lila beschrieben). Dazu würde ich viel lieber diskutieren als über eine Porno-Debatte, die mich größtenteils an die Debatten um Ego-Shooter erinnert…

    • Natürlich Katja. Aber islamisch geprägtes (nicht: islamistisch) Land bedeutet nicht automatisch Rückständigkeit. Ich finde es zB interessant, wie sich das Bild vom “dummen Araber” durch die Revolutionen dort schon jetzt gewandelt hat. Es wurde deutlich, dass dort eine säkulare, aufgeklärte Internet-Citizen-Bevölkerung lebt und dass man auch dort nicht erwarten muss, dass alsbald die Scharia eingeführt wird. Und schon gar nicht bei uns.

      Das meine ich mit Feminopopulismus. Schwarzers Buch operierte auch mit emotional aufgemachten Einzelfällen. So etwas stört mich, denn es schürt Vorurteile. Vielmehr muss man doch die progressiven Männer einbinden, wie sonst auch.

      Natürlich muss man Probleme benennen. Aber bitte mal ruhig mit den kleinen Pferden und nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

      Bei Sexismus in der Arbeitswelt und Biologismus in der Forschung bin ich absolut bei dir. Nehme an, du meinst zB Forschungen über Hormone und Geschlecht?

      Frau Lila kannst du gern auch verlinken, ich googel es sonst und verlink es selbst. Das hört sich (auch für mich) interessant an.

  5. Ein vielsagender Ausschnitt aus dem erschreckend platten Gespräch:

    Alice Schwarzer behauptet mal eben nebenbei, sie stünde “da beim Kachelmann-Prozess” leider “verdammt alleine”.

    Und keine der Gesprächspartnerinnen kommt auf die Idee, Schwarzer darauf hinzuweisen, wie widerlich ihre Berichterstattung für die Bild-Zeitung ist, wie schizophren und kontraproduktiv?!

    Nein, die lachen lieber alle und hoffen, jetzt im Schwarzer-Kosmos aufzusteigen zu können.

    Traurig.

    Opportunistisch.

    • ganz alleine, nur das haus springer an ihrere seite.

      ich finde julias kritik gelungen und möchte noch betonen: es gab und gibt diese differenzen eben schon. und warum sollte es sie auch nicht geben? damit sich jetzt alle immer zuprosten, herzlich miteinander lachen und “genau!” rufen können?

      • @Oren und Meredith: Die Bildzeitungs-Aktion finden wir doch auch total indiskutabel und haben das Schwarzer gegenüber auch angesprochen. Allerdings wollte sie sich im Gespräch nicht dazu äußern, das hat sie nur später “off the record” getan.

        Zum Thema Differenzen: Natürlich gibt es die, das thematisieren wir in dem Gespräch ja auch, z.B. was die Haltung zu Pornografie angeht. Ging uns nicht darum, die wegzuwischen. Wollten die Diskussion aber ungern weiter nur als “Fern-Battle” über die Presse führen.

  6. Solider Journalismus sieht anders aus.

    Genau. Solider Journalismus ist dann vermutlich, einem Magazin letztlich die Covergestaltung eines anderen Magazins vorzuwerfen, noch bevor man das ganze Interview gelesen hat. Stilkritik also.
    Ich hab wohl das Memo nicht bekommen, dass “Emma” jetzt eine toxic publication ist, von der man sich tunlichst entfernt halten sollte. Ich hielt das bislang für ein verdienstvolles Magazin, das seit fast 35 Jahren Debattenbeiträge liefert, die manchmal streitbar, manchmal hinter der Zeit oder einseitig, aber doch im Allgemeinen wertvoll sind.
    Die Arbeit für die BILD ist eine Blamage für Alice Schwarzer, ja. Aber bezahlt der Springer-PR-Fond nicht auch ihr Honorar, Frau Seeliger? Das ist jedenfalls die Argumentation, mit der die taz jedes Mal hausieren geht, wenn mal eine Anzeige geschaltet wird. Ist die taz damit nicht auch Teil der Rechtfertigungsspirale dieses Schmutzblattes?
    Das sind so Fragen, die ich mir stelle. Oj vej.

    • Ich habe das Interview inzwischen gelesen. Sie auch? Wenn ja: Wie fanden Sie es? Wurden die angesprochenen Konflikte in dem Interview angesprochen? Ich meine: Nein. Wäre es richtig, sie mal anzusprechen? Ich meine: Ja. Kann man sich als junger Mensch, der sich bislang von diesen “Alphamädchen” und “mädchenmannschaften” sowie dem “Missy Magazine” (ich kenne es nicht genau) gut vertreten fühlte, gegen eine solche Aktion öffentlich Widerspruch einlegen und dies inhaltlich begründen? Ich finde: Ja.

      Ihre Bemerkungen zum Finanzierungsmodell der taz können Sie auf der taz-Genossenschaftsversammlung beantwortet bekommen. Da wird nämlich der Haushalt vorgestellt. Und Sie mögen es nicht glauben: Nein, die Anzeigenabteilung von Springer finanziert nicht den wesentlichen Teil der taz. Ab und zu schaltet Springer eine Anzeige, weil sie damit etwas bezwecken wollen. Oft, um der taz eines auszuwischen und Presse zu generieren, weil sich irgendwer wieder aufregt. Und auch wenn auch sie sich manchmal aufregen: unsere Leser/innen halte ich nicht für so blöd, zwischen redaktionellem Teil und Anzeige nicht unterscheiden zu können.

      Mein harscher Ton resultiert auch daraus, dass Sie meiner Meinung nach polemisch argumentierten. Sollte es sich hierbei um einen Irrtum handeln, bitte ich Sie um Entschuldigung und lese mir ihr Argument noch einmal durch.

      • Habe ich gesagt, dass man das Interview an sich nicht kritisieren soll? Ich weiß die Antwort: Nein. Habe ich kritisiert, die Intention hinter und die Geste vor dem Interview zu kritisieren, bevor man das Interview an sich gelesen hat? Ich meine: Ja, und das mit Recht. Hätte ja auch gut sein können, dass jeder der genannten Kritikpunkte im Interview ausführlich behandelt wird, und man sich hinter trotzdem darauf einigt, ein gemeinsames Ziel zu haben und sich abweichender Ansichten zum Trotz dazu auch zu bekennen.* Oder wird hier Meinungshomogenität gefordert? Blockdenken gefördert? Und all das unter dem Mantel der Einen Lehre? Ich finde: Irgendwie schon.

        Und wenn die taz nicht auf die Anzeigen von Springer angewiesen ist, dann verstehe ich nicht, wieso die weiterhin geschaltet werden. Wenn schon guilt by association, dann aber bitte konsequent.

        * Was nicht der Fall zu sein scheint, okay. Dann verstehe ich nur nicht, warum Sie diesen Blogeintrag nicht verfasst haben, *nachdem* Sie das Interview gelesen haben.

        • Und warum werd ich eigentlich nicht geduzt?

        • Das Interview ist schlecht, die Auszüge daraus deuteten darauf hin, und auch die Anteaserung. Es hat sich bewahrheitet.

          Zu der taz-Anzeigenfrage: weil inhaltlich entschieden wurde, die BILD-Anzeigen (genauso wie zB Energiekonzernanzeigen) zu nehmen. Ich finde das übrigens richtig.

          Und nochmal zur Sache: Warum wundern Sie sich, dass ich den Text hier stehenlasse, nachdem ich das Interview gelesen habe? Das verstehe ich nicht. Danach war doch völlig klar, dass Kritik notwendig ist. Vor dem Lesen konnte man es nur vermuten.

          Ach ja: ich Sieze Sie, weil ich Sie nicht persönlich kenne.

          :-)

          Oder? (aus ihrem Pseudonym kann ich nichts erraten …)

          • Und wenn nicht? Wenn die redaktionelle Anteaserung in die Irre geführt hätte undd as Gespräch in seiner Gesamtheit komplexer und kritischer gewesen wäre, als dass die Auszüge hätten vermuten lassen? Wenn Sie falsch gelegen hätten? Hätten Sie den Eintrag dann gelöscht, oder eine Gegendarstellung veröffentlicht? Und die 20 Zeilen in der taz, die Sie sogar noch vor dem hier geschrieben haben? Als hypothetische Frage.

        • genau, bild anzeigen in der taz sind ok aber eine frau, die sich des bild mediums bedient um noch den letzten durchschnittsbürger vom vergewaltigungsprozess und damit von der haarsträubenden rechtssprechung in diesem land zu unterrichten ist nicht ok.

  7. @Oren – Ja, das ist falsch, aber ich kann es auch verstehen. Es ist nicht einfach, jemandem Kritik direkt ins Gesicht zu sagen, und schon gar nicht einer so starken Persönlichkeit wie Alice Schwarzer. Aus sicherem Abstand hinter dem eigenen Computer geht das viel einfacher. Damit will ich nicht sagen, dass ich dieses Projekt richtig finde, aber ich glaube schon, dass ein ernsthaftes Bemühen um “die Sache” dahinter stand und nicht nur einfach ein opportunistischer Aufsteige-Wunsch.

  8. @Antje Schrupp: Das stimmt schon. Natürlich gehört Mut dazu, Alice Schwarzer in einer Runde, in der Schwarzer von zwei ihrer Angestellten flankiert wird und die im Hause Emma stattfindet, zu widersprechen und ihre Fehler klar zu benennen. Aber wenn man diesen Mut nicht hat oder einem die nötigen Worte fehlen, dann sollte man sich vielleicht nicht an einen solchen Tisch setzen. Denn ganz ehrlich: Die Missy-Frauen und Frau Rönicke (die zum Gespräch nicht mehr beigetragen hat als auf ihr neues Portal hinzuweisen) werden von Schwarzer im Schwarzer-Heft vorgeführt. Die jüngeren Diskutantinnen sind nur als Applaudierende erwünscht und leisten kaum Widerworte. Wie hier richtig gebloggt: Es ist dies ein Sieg für das System Schwarzer. Ob es aus guten Motiven oder aus Naivität oder Karriedrang zu dieser Runde kam, ich weiß es nicht. Aber das Ergebnis war kein gutes.

  9. An Chaim: Die 20 Zeilen sind nachrichtlich.

    Den Blogartikel hätte ich gelöscht und mich bei Katrin Rönicke und dem Missy-Magazin entschuldigt.

    • Da haben Sie ja noch mal richtig massel gehabt, dass sich Ihre Meinung, die Sie schon vorher hatten, dann auch noch bestätigt hat.

      • Entschuldigen Sie, ich bitte Sie, realistisch zu bleiben. Es war nahezu unmöglich, denn es wurde ja ein medial konstruierter Widerspruch, dem man sich als feministische Bewegung in Deutschland eigentlich längst entledigt hatte, als Thema behauptet. Aufgemacht mit: EMMA meets “Mädchen” – Kein Bock auf Spaltung!

        Aber ich will Sie in ihrer Stilkritik-Stilkritik nicht bremsen.

        Ach ja: Ich habe schonmal abgelehnt ein Buch zu schreiben, weil mich der Verlag partout in Richtung “Neuer Feminismus” drehen wollte. Ich kenne die Debatte.

  10. Jetzt haben Sie mir eigentlich den Witz geklaut.

    • welchen bitte?

      Los, los

      :-)

      • Den mit der Stilkritik an der Stilkritik.

        Und: Ich habe ihre Expertise der Debatte nicht angezweifelt. Ich verstehe halt einfach nur nicht, warum sie nicht das farshtinkene Gespräch gelesen haben, *bevor* Sie darüber schreiben. Das wirkt auf mich, wie soll ichs sagen, und da kann ich mich auch irren, a bissel meshun. Merkwürdig halt.

        • Wir drehen uns im Kreis. So nehme ich Ihre Kritik zum Verfahren zur Kenntnis.

          Ansonsten hoffe ich auf eine schöne Debatte im Netz, in den Blogs, und so weiter. Vielleicht beteiligt sich ja wer. Wenn nicht, waren da wenigstens welche mal schön Sekt trinken.

  11. Und ein paar RTs sind auch für Sie rumgekommen. Na dann. Jetzt wirds zynisch, und zynisch ist das Gegenteil von gut.

  12. Zynisch und persönlich. Ich empfehle mich.

  13. @Oren: Ich glaube, keine von uns hat es nötig, im EMMA-Verlag aufzusteigen oder sich da opportunistisch anbiedern zu müssen. Wir haben ja glücklicherweise schon ein eigenes Magazin. Außerdem ist doch gerade mal wieder recht deutlich geworden, dass einem jede Verbindung mit der EMMA in der Öffentlichkeit eher Nach- als Vorteile bringt.

    Über die Beweggründe, das Gespräch trotzdem zu führen, hatte ich hier schon mal relativ ausführlich geschrieben: http://missy-magazine.de/2008/05/09/dumm-gelaufen/

    @Julia: Gegen eine fundierte inhaltliche Kritik an dem Gespräch hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Mein Problem ist, dass du eine Stilkritik am Cover und der Verkaufe (beides Elemente, für die nicht wir, sondern die EMMA-Redaktion verantwortlich zeichnen) offensichtlich als adäquaten Ersatz dafür siehst. Was soll man (sollen wir) auf der Basis diskutieren?

    • Warum kritisierst du am Verfahren herum? Hast du das nötig? Die Debatte habe ich doch schon mit Chaim geführt.

      Ich mach Schluss für heute abend. Eventuelle weitere Kommentare beantworte ich morgen.

  14. @Chris – Gibt es denn nochmal eine (eure) Version des Gesprächs in Missy? Dieses Interview, so wie es jetzt von Emma präsentiert wird, ist reine PR. Ich meine: Ihr ward vorher zu blöde, um zu verstehen, was sie mit PorNo meinte und seid jetzt bekehrt? Was mich auch interessieren würde: Habt Ihr auch über Islamophobie geredet? Es irritiert mich, dass das Thema in dem Interview gar nicht vorkommt – jedenfalls wäre das das erste gewesen, was ich mir ihr hätte besprechen wollen.

  15. Chris: Was können wir dafür, dass ihr nicht hart genug wart, solche offenen Fragen mal zu anzusprechen?

  16. Islamophobie: Nein, und ich sehe im Nachhinein auch, dass wir das hätten tun sollen. Eine Rückrunde ist bislang nicht geplant (wäre etwas seltsam gewesen, das Gespräch zwei Monate verspätet in unserer Mai-Ausgabe zu bringen, nachdem es schon jetzt in der EMMA erschienen ist, außerdem hätten wir dann tatsächlich selbst die Themen setzen wollen). Aber genau die können wir demnächst in Berlin ja mal einlegen und dort diese Fragen mit der EMMA-Redaktion ansprechen.

  17. Das ist wirklich der Tiefpunkt des Gesprächs, als diese “Katrin” sagt: “Also, wir drei hier haben ja jetzt den totalen Aha-Effekt, was den Pornografie-Begriff anbelangt.” Ich meine: Geht’s noch?! Haben die drei sich nicht auf die Runde vorbereitet. Es entsteht so der Eindruck: Da kommen drei unbedarfte “Mädchen” zu Emma und lassen sich mal alles schön erklären, und nippen am Sekt und nicken schön artig und die schlaue, große Frau Schwarzer erteilt ihnen ein paar Lektionen

  18. @Antje Schrupp: Und warum bekehrt?

  19. Bei folgenden Themen hätte man m.E. nachhaken müssen:

    - Prostitution
    - Sexualität
    - “Gewaltpornografie”
    - Kachelmann-Prozess

    Man hätte das mit dem Islam zur Sprache bringen müssen. Ich frage mich auch: warum so selbstreferenziell?

    Und warum haben unsere Repräsentantinnen des jungen Feminismus so ein Problem mit Macht? Was ist so schlimm daran, ein “Alphamädchen” (bis auf den Begriff “Mädchen”) zu sein? (zumal, wenn man es ja irgendwie auch ist … erfolgreiche junge Frau mit etwas Macht, das ist doch mindestens beta, und eigentlich alpha …)

    • Liebe Julia,

      Danke für deine Artikel und Kommentare!
      Das Bedauerlichste an diesem Treffen zwischen Missy und EMMA, finde ich, dass das Missy Mag verbreitungstechnisch und zielgruppenmäßig endlich mal ein Gegengewicht zu dem feministischen Medien- und Meinungs-Monopol für eine breitere Masse an Leuten HÄTTE SEIN KÖNNEN.

      Ich finde es auch wichtig, dass endlich mal die mediale Korrumpiertheit von Alice Schwarzer benannt wird, die sich nicht nur in den Meinungen, sondern auch in der Sprache der EMMA und den Marketingstrategien niederschlägt. Das AS für die BILD schreibt, ist damit eigentlich nicht überraschend, weil es sich um die gleiche Form von Journalismus handelt.

      In der EMMA fehlt bei den Redakteurinnen konsequent die Reflektion der eigenen Position, als weiße bürgerliche Frauen. Denn fände diese statt, dann wüsste eine zu welchen Themen eine sich besser laut, leise oder gar nicht äußert, sondern stattdessen lieber Platz macht, um andere sprechen zu lassen. Aber “Platz machen” oder “Platz lassen” für andere Stimmen oder Meinungen, kann EMMA gerade nicht, wie das vereinnahmende Interview und die Verwendung zum eigenen kommerziellen und meinungsmonopolerhaltenden Interview zeigt.

      Schade ist, dass die Missys sich leider dieser Manipulationsmöglichkeit nicht direkt entzogen haben. Eine freundliche Absage wäre ja wahrscheinlich drin gewesen und ob ihr euch in Interviews auf auf Spaltung ausgerichtete Fragen einlasst, hätte euch ja weiterhin freigestanden. Jetzt allerdings wird die ganze Spaltungskiste erst richtig hochkochen, weil es leider nicht möglich ist, sich von EMMA nicht zu distanzieren.

  20. @Chris – Bekehrt wie in der Stelle, die Oren hier zitiert hat.

  21. Schönes neues Blog und wieder was gelernt. Sehr interessantes Thema, finde die Schwarzer-Auftritte in Talkshows für “die feministische Sache” auch kontraproduktiv. Werde mir dieses Missy Magazin mal kaufen. Einfach mal danke für den ergiebigen Beitrag!

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  24. Ich finds unangemessen, “Zwischenruf” zu krakeelen, allein aufgrund der Tatsache, dass sich diese spezielle Gruppe von Frauen inclusive Schwarzer an einen Tisch setzt.

    Joah, vielleicht wäre es NOCH toller gewesen, wenn eine weitere Feministin der – nennen wir es mal vereinfacht – “alten Schule” dabei gewesen wäre neben Schwarzer.

    Und warum wird jedem, der mit Alice Schwarzer redet, eine immergleiche Gesprächsagenda aufgedrückt – Islamophobie, PorNo, Kachelmann – und wer diese Themen nicht abarbeitet, wird disqualifiziert? Finde ich unfair.

    Last not least:
    Vielleicht hat das Gespräch nix “Neues” für die feministisch Bewegten. Allerdings finde ich es schon gut, wenn die Botschaft des Gesprächs “Wir haben keinen Bock uns von den Medien gegeneinander ausspielen zu lassen” an die breite Öffentlichkeit gelangt. Dort ist nämlich die hier längst überlebte Aussage “jung gegen alt” weit verbreitet.

    ps: Auch mal dran denken, wie solche Gespräche dokumentiert werden. Es gibt meistens Elemente des Gesprächs, die nicht abgedruckt wurden. Dann einfach mal zu sagen “hier habt ihr aber nicht, dort hat xy nicht” ist einfach, ignoriert aber auch die Gegebenheiten solcher Interviews.

    • haben Sie das Interview gelesen? Wenn ja: Wie hat es Ihnen gefallen?

      p.s. natürlich habe ich nachgefragt, wie das mit der autorisierung gelaufen ist.

  25. Auch wenn die Rückfragen nicht notwendigerweise etwas mit meinem Beitrag zu tun haben:
    Ja.
    Tut hier nichts zur Sache. In Ihrer Kolumne ging es nun wirklich kaum um eine Auseinandersetzung mit den Inhalten des Interviews.

    Re Autorisierung: Gut. Ich gehe immer noch davon aus, dass es Teile des Gesprächs gab, die nicht weitergegeben sind, weil nicht autorisiert oder “interessant genug”

  26. Allerdings finde ich es schon gut, wenn die Botschaft des Gesprächs “Wir haben keinen Bock uns von den Medien gegeneinander ausspielen zu lassen” an die breite Öffentlichkeit gelangt. Dort ist nämlich die hier längst überlebte Aussage “jung gegen alt” weit verbreitet.

    Aber war es nicht so, dass gerade AS die diese “längst überlebte Aussage” gerne und lautstark voran getrieben und “den Medien” munter Zucker gegeben hat? Bisschen schwach und ziemlich heuchlerisch von AS, jetzt so so tun, als sei sie nur Opfer einer bösen Verschwörung gewesen.

  27. Pingback: Führt das Ende der Alleinverdiener-Ehe zu mehr Ungleichheit? « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß

  28. Es hat ja im Feminismus immer schon verschiedene Strömungen nebeneinander gegeben

    Ja, hat und gibt es. Die Frage ist eben nur, ob die dort Genannten die verschiedenen Strömungen abbilden und mittels Schulterschluß erahnte Differenzen überwinden können. Differenzen, notwendige Kritik, sehe ich da nicht. Meine Differenzen mit EMMA wie auch Missy sind jetzt nicht überwunden und ich fühle mich auch nicht mit allen freundschaftlich verbunden, weil uns politisch soviel trennt.

  29. Pingback: Was eine Netz-Gemeinschaft leistet « … Kaffee bei mir?

  30. Also, Julia, ich schreibe jetzt nochmal, da mein vorheriger Kommentar nicht online steht. Will mal hoffen, dass das keine Zensur ist…. Klar darfst du die Positionen von Alice Schwarzer zu kritisieren. Nur: Welche Positionen hat Frau Schwarzer eigentlich? Davon scheinst du echt keinen blassen Schimmer zu haben. Nur drei Beispiele:

    1.Ihre angebliche „Sarrazin-Light“ Position zum Islam. Schwarzer hat sich noch nie zum Islam geäußert (wie auf ihrer Website und ihren drei Büchern zu dem Thema nachzulesen ist), sondern ausschließlich den islamischen Fundamentalismus kritisiert – genau wie den christlichen Fundamentalismus.

    2.Ihre angebliche Behauptung, heterosexueller Sex sein immer eine „Unterwerfung der Frau“. Wo steht das bitte? Es stand im Spiegel-Interview mit Frau Schröder, da hast du es offenbar unhinterfragt abgeschrieben. Bei Alice Schwarzer selbst steht das nicht. Sie analysiert die Funktion von Liebe und Sex zwischen Männer und Frauen als kulturelle Zwangsheterosexualität, sowie der Aufklärung über den weiblichen Körper.

    3.Die EMMA schreibe „tendenziös“ über Pornographie und Prostitition. Auch falsch. Sie schreibt mit einer bestimmten Haltung und stellt dabei die Frage nach der Menschenwürde. Ist es „tendenziös“ eine politische Haltung zu haben?

    Bevor du in Zukunft woanders abschreibst, kleiner Tipp: Lies doch einfach mal das Original!

  31. hre Behauptung, dass heterosexueller Sex stets in einer Unterwerfung der Frau besteht, ist absurd,,,, bitte vorher besser informieren. diese behauptung” wurde in einer völlig anderen zeit aufgestellt und von ihr im neuzeotlichen hintergrund schon lange dementiert. wenn wir hier auf schröder nieveau diskutieren verstehe ich auch den “sarrazin light” begriff…

    • bitte vorher besser informieren. diese behauptung” wurde in einer völlig anderen zeit aufgestellt und von ihr im neuzeotlichen hintergrund schon lange dementiert.

      Das steht in einem (recht aktuellen) Theorie-Buch, das ich gelesen habe. Kannst du mir sagen, inwiefern das nicht mehr stimmt? Würde mich sehr interessieren. Zweitens ist es so, dass diese “Theorie”, selbst wenn sie von Schwarzer dementiert wurde, von ihren “Anhängerinnen” weiter “gelebt” wird.

      Ein Beispiel aus meinem Politikerinnen-Leben: Mich würde interessieren, ob es noch anderen Frauenpolitikerinnen passiert ist, dass hinter ihren Rücken gelästert wird “Die denkt nur an Sex” und “Die ist doch eh für die Männer“. Mir ist das passiert und ich glaube, das hat was mit Alice Schwarzer zu tun. Und auch deswegen gebe ich hier nicht Ruhe, weil ich solches, nachdem ich ein wenig darüber nachgedacht habe, eine grundfalsche Sichweise finde, die den Dialog vergiftet und Emanzipation hemmt.

      Natürlich kann man seine Meinung ändern und Fehler einräumen. Auch Alice Schwarzer trau ich das zu. Ich habe meine auch geändert. zB würde ich nicht mehr schreiben “Das Private ist nicht politisch”. Außerdem meine ich nicht mehr, dass man Vergewaltigern nur mit dem Rechtsstaat bekommen kann. (zu beidem schreibe ich demnächst mal einen Blogartikel.)

      Aber an alle: Wenn ihr ein Argument bringt, dann liefert mir doch bitte eine Quelle mit. Danke!

  32. Vielleicht wollen wir Frauen gar nicht so genau wissen, was in Pornos wirklich Thema ist und was Männer dabei denken und fühlen? Ich hab mir unlängst den Roman “Pornos machen traurig” gekauft und einen befreundeten Psychologen gefragt, ob die Dinge darin so stimmen könnten – er hat eindeutig bejaht, dass Pornos aggresive Phantasien produzieren …

    Ob Emma da also wirklich tendenziös ist?

    Uschi

  33. Vielleicht wollen wir Frauen gar nicht so genau wissen, was in Pornos wirklich Thema ist und was Männer dabei denken

    Sollten wir aber! Denn mediale Bilder beeinflussen Wirklichkeit!

    Sollten wir aber! Denn ohne genaue Fachkenntnis ist Kritik zahm.

    Sollten wir aber! Denn wir können das Patriarchat besser überwinden, wenn wir wissen, was “die Männer” denken!

    Zudem soll es einen gewissen Anteil von Frauen geben, die Pornos konsumieren. Weiß vielleicht jemand die Zahlen?

  34. “alice schwarzer hat grossartiges geleistet” – und in meinen augen macht sie das auch heute noch. ich habe mehr den eindruck, dass enorme persönliche animositäten gegenüber alice schwarzer seitens frau seeliger bestehen. da erinnere ich mich nur an den hässlichen artikel in der taz über alice schwarzer als feministin nr. 1. was unternehmen denn die poryes-befürworterinnen in sachen pornografie, kinderpornografie. (sexualisierte) gewaltverherrlichung i.d. medien. so gut wie gar nichts. ausserdem finde ich die themenvielfalt in der neuen emma wieder prima .
    das ewige herumhacken auf alice schwarzer scheint von den eigenen unzulänglichkeiten abzulenken? macht`s doch besser!

    • was unternehmen denn die poryes-befürworterinnen in sachen pornografie, kinderpornografie. (sexualisierte) gewaltverherrlichung i.d. medien

      Erstens: Ist für Sie “Pornografie” und “Kinderpornografie” vergleichbar? Wenn ja: Wie? Wenn nein: Warum nicht?

      Zweitens: Was meinen Sie mit “sexualisierte Gewaltverherrlichung in den Medien”? Können Sie vielleicht ein paar Beispiele nennen?

  35. Kleine Frage an sara (und andere, die bestreiten, dass Schwarzer sich islamfeindlich äußert):

    Wie sind Aussagen wie “Das Kopftuch ist die Flagge des Islamismus. [...] Als Symbol ist es eine Art „Branding“ , vergleichbar mit dem Judenstern” [1] zu bewerten?

    Oder Sätze wie “Das wahre Problem ist die systematische Unterwanderung unseres Bildungswesens und Rechtssystems mit dem Ziel der „Islamisierung“ des Westens, im Klartext: die Einführung der Scharia mitten in Europa”? [2]

    Ist das sachliche Kritik? Oder realistische Einschätzung der Situation in Deutschland?

    [1] http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~EF6816D734A5C42A8A352CBB10367B7FA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    [2] http://www.welt.de/debatte/article9723059/Wie-die-Islamisten-Deutschland-unterwandern.html

    • Nur noch mal zusätzlich zur Illustration, in welche Gesellschaft sich Schwarzer damit begibt (in Deutschland ist das ja noch nicht in dieser Plastizität vorgekommen): In Österreich beruft sich ein HC Strache tatsächlich auf Schwarzer – und es ist beim größten Teil der Bevölkerung ziemlich schwierig zu erklären, wo jetzt in Bezug auf das angebliche Thema “Islam” die großen Differenzen liegen – die sind bei AS nämlich nur das Kleingedruckte – und selbst dort scheint eine mehr als problematische Position durch.

  36. pornografie ist pornografie. ob die darstellungen kinder oder erwachsene betreffen. sex. gewaltverherrlichung, auch gewalt gegen frauen (vergewaltigungsfantasien) wird/wurde nicht nur in computer-spielen, i.d. pornografie , in comics (mangas) , auch von porno-rappern zelebriert. das spektrum ist immens. ich dachte sie wüssten das.

    http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/bpjm-aktuell-fleisch-frauen-kraft-zerst_C3_B6rung-blut-aus-03-09,property=pdf,bereich=bpjm,sprache=de,rwb=true.pdf

    http://www.sgipt.org/medien/sgamwk.htm

    • Nein, für mich ist Pornografie nicht gleich Pornografie.

      Ich sehe einen Unterschied zwischen Zeichentrick (Manga-Pornos), filmischen Darstellungen sexueller Handlungen mit erwachsenen Menschen, die beim Filmen/Fotografieren nicht gequält wurden, Darstellungen von erwachsenen Menschen, die dabei gequält wurden und zwischen Darstellungen von Kindern (ob sie gequält wurden oder nicht). Natürlich kenne ich auch den Arschficksong von Sido.

      Ich kann aber differenzieren. Und muss nicht wie Sie Kindesmissbrauch mit Darstellungen von einvernehmlichem Sex unter Erwachsenen in einen Topf werfen.

      Und in der Tat bin auch ich der Meinung (auch wenn Sie dies nicht vermuten werden), dass Mainstream-Pornos, ihre Ästhetik, Frauen oft herabwürdigend darstellen und damit kritikwürdige Geschlechterrollenbilder reproduzieren. So finde ich die immergleiche Abfolge blasen > ficken > anal ficken > abspritzen langweilig und ich würde so nicht Sex haben wollen. Auch kann man mal die Kameraführung (“männliche” Perspektive?) in solchen Pornos in den Blick nehmen. Das haben ja Filmwissenschaftler/innen auch schon gemacht, wenn es Sie interessiert, suche ich einen Link.

      Fazit: Man sollte die Ästhetik von Mainstream-Pornos hinterfragen, anstatt Pornos an sich zu dämonisieren. Auch ist es wichtig, einen scharfen Blick auf Produktionsbedingungen zu werfen. Der wird aber unscharf, wenn Kampagnenjournalismus betrieben wird, so wie ich es in diesem Bereich der Emma vorwerfe.

      Oder missinterpretiere ich Sie? Nochmal die Nachfrage: Ist für Sie Kinderpornografie (besser: Darstellung von Kindesmissbrauch) dasselbe wie ein Porno, in dem Erwachsene vorkommen und “einvernehmlich” gedreht haben?

      Zweite Nachfrage: Haben Sie sich das Pornodebatte.PDF durchgelesen, das ich in diesem Artikel verlinkt habe?

  37. Darf ich denn mal wissen welches aktuelle Theorie-Buch das sein soll? Immerhin wurde genau das was ich in meinem Kommentar schreibe in der relativ aktuellen Schröder Debatte von Alice schwarzer formuliert…

    • Verstehe. Sie hat sie vollständig abgeräumt, diese Beschimpfung von heterosexuellem Sex? Kannst du mir dazu einen Link geben?

      Buch: Andrea Truman – feministische Theorie.

  38. Pingback: Piratenweib – Frei wie Anne Bonny | MaFiA Power

  39. Irgendwo in den Kommentaren kam die Frage auf nach Porno-Konsumentinnen.

    http://www.guardian.co.uk/culture/2011/apr/07/women-addicted-internet-pornography

    Im Artikel steht 6 von 10 Frauen schauen Pornos im Web. Kommt mir viel vor, aber wer weiß.

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