Julia Seeliger. Text is Sex.

Die Sexszenen in Julia Schramms Buch “Klick mich” (ab Seite 103, Suchwortempfehlung: “Sex geht auch online”) sind nur dahingehend einen Blick wert, als dass man daraus erfahren kann, wie schwer es ist, Sexszenen zu schreiben. Sie sind noch schlechter als die Sexszenen in Sascha Lobos Buch, die die letzten waren, an denen ich mich gestoßen hatte.

und dann noch aufs ekligen versifften boden. und ohne koks. ein langweiliger dreier. vögeln. was ist das für eine new economy?

Gut, lese ich jetzt die Szene bei Schramm, so muss ich alles revidieren, was ich damals böses über Saschas Buch und die darin enthaltenen Sexszenen lästerte. Bei Schramm ist es hundertmal schlimmer: Sanfte Stöße, Wasser – und diesen Arztroman am Ende sogar noch wieder relativiert. Ein billiger Versuch, Shades of Grey mit Politik zu kombinieren, so Pascal Geißler bei Twitter. Sätze wie

„Wir klicken uns in die Augen, befor er mich im Katzengriff hält. Sein Mund schmeckt nach Sperma.“

finden sich in dem Buch leider nicht.

In dem Kapitel danach erfährt man einige langweilige, unpräzise und wohl zum Teil auch unwahre Dinge über Cybersex und Pornografie.

Ob es im Internet Kannibalensex wirklich gibt, hat Schramm nicht recherchiert – ein “Nichts ist unmöglich. Es gibt den Kannibalenporno. Garantiert” muss reichen. Ansonsten wird so wischiwaschi von “den dunklen Ecken des Internets” gesprochen, und von “Frauen, die an inneren Blutungen sterben, weil sie Sex mit einem Pferd hatten”. Auch jetzt nicht so die neueste Geschichte. Nach Schramms Ansicht gefallen Pornos, “wenn Frauen und Männer dabei Spaß haben”. Das ist auf die Darsteller bezogen.

Gut auch der Satz “ich weigere mich zu glauben, dass Sex nur eine Ware ist und dass die Menschen (sic!) das tatsächlich so sehen”. Einfach mal was glauben, Suggestion rockt.

Das Kapitel endet mit dem Staatstrojaner und der digitalen Intimsphäre.

Es gibt sogar Vibratoren, die über USB und Netz von einem anderen gesteuert werden können. Telefonsexerweiterungsmaschinen. Auch deshalb sind Sachen wie der Staatstrojaner gefährlich.

So so! Deshalb also. Orgasmus abschnorcheln, voll spannend – ne, is klar.

September 18, 2012 · Flattr this! · Tags: , , , · [Internet ausdrucken] ·

45 Comments to “Sex mit dem Staatstrojaner”

  1. Spider sagt:

    Ist das jetzt angewandtes Trollfangen?

    • julia sagt:

      Eigentlich nicht. Eigentlich wollte ich Meinungen zu der inhaltlichen Einordnung von Sexualität, Pornografie (Bilder von Sexualität?) und Internet durch Julia Schramm in ihrem Buch “Klick mich”. Denn die Themen interessieren mich (wie man in diesem Blog ja auch nachlesen kann).

      LG :-)

  2. cyko sagt:

    “Nach Schramms Ansicht machen “Pornos Spaß, wenn Frauen und Männer dabei Spaß haben”.”

    Zweifellos richtig und die Menschheit endlich einmal korrekt charakterisiert. Der übliche Konsument..moment, keine Ware… also der typische Genießer von Pornografie prüft selbstverständlich den Clip erst auf Anzeichen allseitigen Spaßes.
    Erst dann wird zum Abputztuch gegriffelt.

    Dies ist auch als angewandte Empathieschulung zu verstehen, da nur mit entpsrechender Sinnesschärfung die kleinen Nuancen des allseitigen Spaßes in russischen Vergewaltigungspornos zu erkennen sind.

    Etwaige Tipfehler sind übrigens den Vibrationen geschuldet, welche der Staatstojaner in der nahen Aquarienpumpe auslöst.

    • julia sagt:

      Naja, aber etwas theoretische Fundierung einzufordern, dürfte doch nicht zu viel verlangt sein. Insbesondere von einer “Feministin”.

      Ansonsten bleiben wir eben unter Neon-Niveau.

  3. Ben sagt:

    Zum Buch selber gibt es nichts weiter zu sagen außer es ist ein Buch in einem gelben Umschlag mit rosafarbener Schrift und einer Schattenfigur einer Frau darauf.

    • julia sagt:

      Na, ich sag hier doch was. Dass das im Titel enthaltene Versprechen, dass es da um Sex gehen soll und man Erkenntnisse zu Internet & Sexualität finden kann, ein leeres Versprechen ist.

    • syrlins sagt:

      Ist die Schrift und die Figur nicht PINK? Rosa wäre ja wohl eher langweilig… ;-)

  4. Kerstin sagt:

    Dass sie mit dem Staatstrojaner orgasmusfördernde Maßnahmen hätten ist … nun ja… interessant. Ich dachte, bei diesen Trojanern ginge es nicht um’s Vergnügen.

  5. Ben sagt:

    Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ist ein Buch

  6. Ben sagt:

    “Jo, aber geil isses ja nun nicht. WIRD MAN JA WOHL NOCH SAGEN DÜRFEN EINSELF” Nu is es raus, das musste aber auch mal gesagt werden. Danke

  7. kathy sagt:

    Kritik, die kritisiert, dass das nicht kritisch betrachtet wurde und selber keine Einordnung liefert, ist irgendwie.. so.. naja.. Zitieren wir ne Sexszene, die wir dämlich finden und zitieren damit ne Sexszene. toll. gleiches Verfahren der Effekthascherei wie Schramm. Verwobenheit in die eigene Kritik. genauso schade wie bei Schramm.

    • julia sagt:

      Sorry, das ist Blogland hier. Die Leserkommentare mattern. Und natürlich gibt es ne Einordung. Durch die Auswahl und durch inhaltiche Einordnung der Zitate, zweiteres vielleicht erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

      Mal ganz direkt, für Nixmerkerinnen wie dich (ich kenne dich von Twitter, fühle mich aber von deinem Kommentar missverstanden und reagiere entsprechend unfreundlich):

      Ich zweifle die Behauptung an, dass Pornografie gut ist, wenn sie “Männern und Frauen Spaß macht”. Ich zweifle es an, dass Pornografie zivilisiert werden wird. Der Sex wird nicht zivilisiert werden, denn dann ist er tot.

      Es wäre interessant zu erfahren, was sich für Pornografie im Netz findet. Hat Schramm aber nicht recherchiert, sondern sie blubbert was daher. Finde ich total ätzend bei einem Thema, das eh schon von Ängsten, Vermutungen und Dogmen geprägt ist und eben nicht von Fakten.

      Es interessiert mich, ob Pornografie, was ich als Bilder von Sex vermuten würde, Auswirkungen hat und was dies in der zukünftigen, wohl noch mehr Bild/Suggestionsgeprägten WElt bewirken wird. Es ist aus feministischer Sicht zum Kotzen, wenn diese oberflächliche Tusse, die aber als “Netzfeministin” gesehen wird, mit ihren halbgaren Thesen rumrennt und behauptet, ist alles super mit POrno – da aber weder drüber nachgedacht noch recherchiert hat.

      Es interessiert mich auch, was Post Privacy mit Sex und Beziehungen macht. Hab ich gestern auch in meine taz-Kolumne geschrieben, by the way.

      Wo hingegen in Schramms Buch steht was interessantes zu Cybersex und Beziehungen in Internetzeiten? Es wird gemutmaßt, gelabert, falsches falsch zusammengesetzt. Was man eben auch an der bratzig-antiinhaltichen Einordnung des Bundestrojaners sieht.

      Wir als Menschen im Netz werden mit diesem konservativ-spießigen Shades-of-Grey-Dreck und dem inhaltich gequirtem Unsinn zu Netz-Leben in einen Topf geworfen. Gut, aber das ist ein Ekel-Gefühl, das ich stets habe, wenn die Piratenpartei mal wieder etwas Hirnloses rausgekotzt hat.

      Wo ist der emanzipatorische, feministische, zukunftsorientierte Impact dieses Buchs? Ist es irrelevant, wenn eine Frau ein Buch herausgibt mit dem Titel “Fick mich” – eine Frau, die, wie gesagt, Teil der so genannten “Netzfeministinnen” ist, ist das irrelevant für die ganzen Definitionsmacht-Vergewaltigungs-Jammer-Mädchen?

      Und: Wo hab ich ne Sexszene, die ich dämlich finde, zitiert? Ich habe beschrieben, dass Schramm phantasielos und beschämt Abziehbilder von Sex in ihr Buch gerotzt hat und dass mich sowas abstößt.

      Und zuletzt: Kannst du bitte beschreiben, wie ich in “die eigene Kritk verwoben” bin? Deine Sprache ist akademisch verschleiert. Herzlichen Dank.

      • tessa sagt:

        Ich finde den Gedanken, welchen feministischen Impact der Buchtitel hat, haben soll, haben könnte verfolgenswert. Ich finde ‘ficken’ ein fantastisches Wort und benutze es wirklich gerne. ist der titel irgendwie im buch aufgegriffen und ausgeführt? sex & internet & eine eine neue feministische haltung zu sex … wäre das nicht ein buch für dich?

        • julia sagt:

          sex & internet & eine eine neue feministische haltung zu sex … wäre das nicht ein buch für dich?

          Ja. Aber schreibst du dieses Buch nicht gerade? (irgendwer muss das doch schreiben, liegt doch auf der Hand)

  8. [...] Meinung in diesem Fall aber so gar nicht teilen.) Wer sich für die sexuelle Ebene interessiert, wird bei Julia Seeliger bestens bedient — hier sind auch die Kommentare lesenswert. (Auch Julia kenne und schätze [...]

  9. Tim sagt:

    Das liest sich wie eine Blinde, die von Farben schreibt. Sie spielt gerne mit dem Klischee ihrer gutbürgerlichen, unspektakulären Herkunft. Und leidet offensichtlich auch drunter – was beim Betrachter zumidest so rüberkommt. Daher klingt das was sie zu Sex schreibt wie pubertäres Gefasel. Kein Wunder.

  10. Tim sagt:

    Ach ja, dazu muss man auch den Lauf ihres bisher überschaubaren kurzen Lebens betrachten:

    6 Jahre ehrenamtliche Mitarbeiterin der evangelischen Kirche Hennef
    Praktikantin bei der FDP-Landtagsfraktion
    Referentin der Fachschaft
    Redaktions- und Verlagspraktikum
    Mitglied des Prüfungsausschuss
    Stellv. Mitglied der Studienbeitragskommission
    Mit 26 verheiratet.
    usw.

    Klingt nicht nach (Cyber)sex, Drugs and Rock’n'Roll.

  11. Mark sagt:

    Habe das Schramm-Buch nicht gelesen. Und es interessiert mich, ehrlich gesagt, auch nicht besonders. Spannender finde ich die hier in der Diskussion immer wiederkehrenden Motive des Feminismus und des Porno. Gerne würde ich mal eine Aufschlüsselung feministischer Positionen zu Porno lesen. Es scheint ja da Befürworterinnen (z.B. Porno als Mittel der sexuellen Befreiung oder als Ausdruck der weiblichen Selbstbestimmung) und Gegnerinnen (z.B. Porno als Unterdrückung der Frau) zu geben. Und wo steht dahin gehend eigentlich die Slut Walk-Bewegung?

    • julia sagt:

      Puh, ich kann hier keine Übersicht über aktuelle Strömungen liefern. Das müssten andere tun.

      Bekannt ist ja, dass Alice Schwarzer bzw. die EMMA die PorNo-Kampagne gemacht haben, der letzte Artikel hierzu in der Emma, den ich gelesen habe, passt auch genau in dieses Schema. Zu “Shades of Grey” (Bereich SM, laut Wikipedia Kampagnenelement) hat sich Alice Schwarzer, für mich überraschend, zum Teil positiv geäußert.

      Im letzten Frühjahr gab es das Interview “Kein Bock auf Spaltung” in der Emma, bei dem sich jüngere Feministinnen recht widerspruchslos Alice Schwarzers Pornografiedefinition anschlossen.

      Wenn ich es richtig verstehe, ist man in queerfeministischen Kreisen tendenziell offener für Pornografie. Stichwort Porn Film Festival Berlin, Stichwort Laura Méritt (“sexpositiver Feminismus”). Eine Intiative um Méritt vergibt das PorYES-Siegel.

      Ach ja, die Slutwalk-Bewegung – gibt es die noch? Im letzten Jahr wars in Berlin wie beim CSD, es gab Schilder mit selbstgemalten Parolen, Verkleidungen und viel nackte Haut – ich hab da auch drüber geschrieben, by the way. In diesen Jahr wars kaum noch was mit Slutwalk hier. Vielleicht, weil der Berliner Slutwalk in diesem Jahr schon im Vorfeld so sehr politisch entleert war, dass kaum wer mehr hinwollte. Oder es war zu kalt.

      Ich selbst bin der Meinung, dass Pornografie positive Auswirkungen für die Gesellschaft und in Beziehungen haben kann. Kommt aber auch immer drauf an.

      • Mark sagt:

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Du gibst mir auf jeden Fall Ausgangspunkte, von denen ich weitergehen kann.

        Die Schwarzer-Positionierung zu “Shades of Grey” war mir bekannt. Auch Eva Illouz (keine Ahnung, wo sie in Sachen Feminismus steht) hat sich auf Spon ja auch eher positiv über SoG geäußert. Wenn ich mich recht erinnere, sieht sie in Beziehungen mit SM-Struktur vor Allem den Vorteil, dass die ansonsten recht große Komplexität (keine/wenige Selbstverständlichkeiten) in Beziehungen reduziert werden kann. Das mag zwar richtig sein, aber erstens ließe sich Komplexität auch anders reduzieren (z.B. durch Re-Übernahme von Old School-Rollenmustern) und zweitens bleiben dabei zentrale Aspekte von SM-Beziehungen in der Analyse unberücksichtigt (z.B.: psychisch: Ursprung und Wirkung von Dominanz/Unterwerfung; sozial: Stabilisierung oder Etablierung von Machtverhältnissen…).

        Als ProPorn-Feministin sieht sich, glaube ich, auch Annie Sprinkle (nomen est omen;). Sie ist promovierte Sexualwissenschaftlerin und macht selber Pornos. Was sie mit ihrem Spekulum so alles anstellt, will ich, glaube ich, gar nicht so genau wissen;)

        • julia sagt:

          Ich kann mir das bei Illouz nur so erklären, dass sie BDSM als Vorteil zum Default-Partiarchat-Sex sieht. Oder ich versteh was falsch.

          Ähnliche Debatte in diesem Blog.

          • Mark sagt:

            Kann sein, dass es Illouz letztlich darum geht, dass BDSM eine gültige Alternative zum Default-Patriarchat-Sex darstellt (schönes neues Wort gelernt;). Um das beurteilen zu können, müsste ich aber mehr Texte von Illouz kennen. In dem SpOn-Stück jedenfalls gibt sie mehrere Vorzüge von Beziehungen mit SM-Vertrag an. Zentral ist die angesprochene Reduktion von Komplexität. Aber ich möchte hier auch keine schon mal geführte Diskussion wiederholen.

  12. C. Bosporus sagt:

    Vielen Dank fuer diesen Artikel. Das Buch ist Schund.

    Frei nach der Autorin: “Cybersex ist total intim. Und deswegen ist ein Staatstrojaner voll doof”.

    Wenn es so im Kopf von Frau Schramm aussieht, dann gute Nacht. Und diese Frau will Politologin sein oder demnächst sogar noch promovieren?

    Das Geschreibsel entspricht stilistisch dem pseudointellektuellen Gebrabbelt eines Mittelstufenschülers und ist völlig zusammenhanglos.

    • julia sagt:

      Die Gedanken sind frei
      wer kann sie erraten?
      Sie fliehen vorbei
      wie nächtliche Schatten.
      Kein Mensch kann sie wissen,
      kein Jäger erschießen
      mit Pulver und Blei:
      Die Geda-han-ken sind frei!

      Cybersex kann sicher intim sein, aber das Problem ist da nicht der USB-Vibrator.

  13. syrlins sagt:

    Soll das wirklich funktionieren? Der Staatstrojaner steuert den Vibrator oder andere technische Sexhilfen über den USB-Slot…

    Wow!

    Und die Frau ist tatsächlich schon verheiratet? Weil ich was von einem Mr. Big Guy oder Mr. Right Guy gelesen habe?

    Aber wie schon ein anderer Kommentar an einem anderen Ort sagte: Die Frau ist ein TWEN aus der Generation Facebook und kann nur noch kurzfristigst aufmerksam sein, etwas gründlich zu machen, dazu reicht’s nicht.

    Die hat keine Meinung, oder wenn dann heute so, morgen anders und letztlich – so what!

    Danke an unsere Werbe- und Medienwelt die solche Figuren erschaffen…

    Syrlin…

  14. Alexandra sagt:

    Jep, ich glaube sie ist schlicht ein großer Internet Troll ;)

  15. julia sagt:

    Hey Mark

    Kann sein, dass es Illouz letztlich darum geht, dass BDSM eine gültige Alternative (…) darstellt

    Hab “Gefühle in Zeiten des Kapitalismus” gelesen und ich denk, das kann man schon so sehen, dass sie das so sieht. Sie blickt in dem Buch schon sehr genau in Geschlechterverhältnisse hinein, dürfte da also nicht blind sein, woraus ich schließe, dass sie die Geschlechterverhältnisse bei “Shades of Grey” durchaus sehen dürfte. Und dann wohl auch über BDSM an sich mal nachgedacht haben dürfte.

    Zahlen zu BDSM & Geschlechterverhältnisse: Datenschlag – peinliche Befragung (schon älter)

  16. Der Sex wird nicht zivilisiert werden, denn dann ist er tot.

    Der kommt in die Zitatesammlung,

    Ansonsten sei mal zur Bildung das Lesen von Heike Diefenbach empfohlen, das selbstreferenzielle Patriachatgeschwafl ist nur noch Peinlich.
    (mit ganz hartem P )

    Was ein wissenschaftlicher Fakt ist sollte doch den anwesenden geläufig sein und spätestens nach Anwendung von Ockhams Prinzip ist nun mal nix mehr von diesen holen Begriff in seiner bei einigen derzeit gängigen Anwendung übrig, gelle ?

  17. Saibhu sagt:

    Mal eine ganz andere Frage (sorry, wenn die hier fehlplaziert ist, aber ich wüsste keinen besseren Ort): Ist Substanzlosigkeit das Problem unserer Generation?

    Irgendwie scheint mir das das Hauptproblem der Piraten zu sein.

    Wenn ja, liegt das an unseren Kommunikationsmöglichkeiten? Kommunikation ist um so vieles leichter geworden im letzten Jahrzehnt. Reflektion hingegen nicht.

    Kommunizieren wir nicht zu viel (a.k.a. Hirn-weg-twittern), sondern denken wir zu wenig?

    • julia sagt:

      Ich finde, es ist der richtige Ort für solche Reflexionen. Ich hab ja schon geschrieben, dass ich mich manchmal für die Substanzlosigkeit der Piraten schäme, da ich denke, auch dieser Generation zugerechnet zu werden.

      Sicherlich führt das Schreiben vieler kurzer Sätze dazu, dass man keine Zeit & Energie mehr hat, viele lange Sätze zu schreiben bzw über diese nachzudenken. Ich habe dies auch erlebt und deswegen meine Kommunikation verändert (mich von Facebook abgemeldet, twittere anders, blogge wieder mehr). Kann aber auch sein, dass ich ein besonderer Suchti bin, ich also besonders anfällig war und mich schwer abgrenzen konnte.

      Mein Petitum: wähle deine Kommunikationsinfrastrukturen sorgsam, dann klappts auch mit dem Nachbarn!

      • Spider sagt:

        Könnt Ihr vielleicht erklären, was Ihr mit Substanzlosigkeit meint. Das Gegenteil wäre wohl Substanz einer Person/Gruppe. Das macht aber irgendwie keinen Sinn.

        • Saibhu sagt:

          Mit Substanz meine ich in dem Fall weniger die Person, sondern eher die entsprechenden Inhalte.

          Es gibt gibt z.B. Blogartikel, die ich einfach nur lese und solche die ich lese und dann darüber nachdenke (und merke, dass auch viele Gedanken drinstecken).

          Es gibt Foren in denen ich mittlerweile keine Lust mehr habe Fragen zu stellen, weil ich zwar 10 Antworten bekomme aber bei 9 davon merke, dass derjenige/diejenige nicht ernsthaft über meine Frage nachgedacht hat. (Im Buddhismus ist das ganze nochmal ‘ne Ecke schlimmer, weil es dort eine systemische Troll-Immunität auf mehreren Ebenen gibt…)

          Die Piraten sind gut darin Probleme aufzuzeigen und brain-storming-ähnlich Ideen zu entwickeln, aber dann stellt sich doch vieles als wenig durchdacht heraus (im Grunde natürlich typisch für einen “hack”, aber ob man so Politik machen kann/will…).

          Oft scheint mir einfach nur die Meinung kommuniziert zu werden anstatt einer Überlegung. Nichts gegen Meinungen, aber wenn ich eine Überlegung mitgeteilt bekomme, kann ich die nachvollziehen und davon profitieren – von einer Meinung hab ich nicht viel (ausser das Wissen, dass andere anderer Meinung sind).

          • julia sagt:

            Es gibt Foren in denen ich mittlerweile keine Lust mehr habe Fragen zu stellen, weil ich zwar 10 Antworten bekomme aber bei 9 davon merke, dass derjenige/diejenige nicht ernsthaft über meine Frage nachgedacht hat. (Im Buddhismus ist das ganze nochmal ‘ne Ecke schlimmer, weil es dort eine systemische Troll-Immunität auf mehreren Ebenen gibt…)

            Das ist gut, solche Vergleiche habe ich auch schon gedacht.

            An den anderen Kommentar, der was mit Personen ansprach: Nein, ich meinte Inhalte, Strategie & Taktik.

          • Spider sagt:

            Komischerweise habe ich einen total anderen Eindruck von den Piraten als Ihr. Liegt vielleicht daran, dass ich Twitter nicht benutze und mich aus sehr wenigen Quellen über die Piraten informiere.

            Hauptquelle ist der Klabautercast, ein Podcast und einige weitere Podcasts mit Christopher Lauer.

            Außerdem eine Handvoll Blogs von Fraktionsmitgliedern in NRW, von denen ich hoffe, dass sie irgendwann interessante Informationen liefern.

            Beim Klabautercast spielen Inhalte, Strategie und Taktik durchaus eine Rolle. Andererseits schaue ich mir natürlich auch nur einen winzig kleinen Teil der Partei an.

            Ich glaube, dass man für substantielle politische Inhalte sehr viel Zeit braucht.

            Zum Vergleich: Für eine Doktorarbeit braucht man üblicherweise mehr als drei Jahre (Die Ergebnisse sollten ja auch Substanz haben) und verglichen mit einem Gesetzentwurf zu einem gewissen Gebiet ist eine Doktorarbeit nur ein kleiner Wurf.

            Ich finde Politik, wie sie derzeit betrieben wird, nicht gut. Aber mit einigen “hacks” kann man diese recht schnell verbessern. Z.B. wenn man die Gewaltenteilung mal wirklich ernst nehmen würde, oder die lokalen Haushalte maschinenlesbar zur Verfügung stellen würde.

            Ach ja, und ich würde es sehr begrüßen, wenn mehr Abgeordnete Podcasts in der oben genannten Form machen würde. Das betrifft auch die Piraten.

            Das hat meine Meinung von diesen Politikern grundsätzlich verbessert (gut, viel schlechter hätte sie auch kaum mehr werden können).

  18. Podcasts brauch ich nicht. Nicht gut durchsuchbar. Oft dummes Gelaber von überschätzten Personen. Ich kann mich selten überwinden, einen ganzen Podcast zu hören.

    Ich war am Wochenende auf der Open Mind, was wohl das Intelligenteste ist, was Piraten zu bieten haben. War nett.

    Ach ja, und zum Zeitfaktor: Sechs Jahre sind genug, um mal ne Erzählung zu entwickeln. Ich hab kein Bock mehr, Welpen zu treten.

    • Spider sagt:

      Ach ja, und zum Zeitfaktor: Sechs Jahre sind genug, um mal ne Erzählung zu entwickeln. Ich hab kein Bock mehr, Welpen zu treten.

      Ich glaube, Gewalt ist keine Lösung. Führt nur zu Trotzreaktionen und komischen psychischen Krankheiten.

      Podcasts musste ich leider erwähnen, anders kann ich meine Sichtweise nicht erklären. Hab irgendwo gehört, dass es Bestrebungen gibt, die automatisch zu transkribieren und mit Sprungmarken zu versehen.

      • julia sagt:

        Bist du Ponader oder warum laberst du von “Gewalt” ?

        Wir hatten schon mal das Problem, dass du Worte und physische Gewalt – etwa bewusst? – verwechseltest. Da kamst du in den Spam. Kommt das noch einmal vor, bekommst du hier Hausverbot für immer. Ich habe keine Zeit, so mit dir zu sprechen, da du offenbar zu unterschiedliche Denksysteme hast.

        Sag doch mal was zu Inhalten, wenn du schon so ein großer Fan bist. Anstatt hier zu vernebeln.

    • Saibhu sagt:

      Slashdot hat heute drei Links zum Thema Langweile (nach Informationsgehalt sortiert: 3., 1., 2.) in denen argumentiert wird, dass durch das ständige unterhalten-werden Freiräume für Reflexion und Kreativität fehlen.

      Der Artikel bezieht sich zwar auf Smartphones, aber die Piratenpartei spricht ja gerade eine Generation an, die schon vor dem Zeitalter der Smartphones quasi ständig online war.

      Ach ja, und zum Zeitfaktor: Sechs Jahre sind genug, um mal ne Erzählung zu entwickeln.

      Vielleicht sind 6 Jahre gar nicht so viel, wenn man ständig mit Twittern u.ä. beschäftigt ist…

  19. Saibhu sagt:

    Vielleicht könnte man eine Art Substanz-Troll einführen.

    Sowas wie @Der_Oberlehrer oder seidseit.de. Der Substanz-Troll würde dann bei Blog-Artikeln wie diesem http://www.welchering.de/2012/10/04/orwell-in-die-archive/ auf die fehlende Substanz hinweisen und auf eine Seite verlinken, die z.B. erklärt wie ein Argument aussieht etc.

    P.S.: Substanz-Warnung! — Der obige Eintrag hat trotz des Themens wider erwarten nicht viel Substanz. — Substanz-Warnung! — Erwarten sie nicht zu viel Substanz von diesem Eintrag – sie könnten enttäuscht sein! — Substanz-Warnung!

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