Umzug

Zweites Mal Aufwachen in Frankfurt. Zimmer besteht nur aus Bett mit Besucherritze und Bad. In die Ecke gequetschter Schreibtisch, kein Internet auf dem Zimmer. Probleme mit der offensichtlich kaputten Elektronik der laut summenden Lüftung werden von der Rezeption nur mit “heute können wir da nichts machen, ein Techniker ist erst morgen wieder da” beantwortet. Sinnvolle Hinweise, wie sich die Technik überlisten lassen könnte, auch nicht – Service wie im Media-Markt.

Keine Minibar. Kein Balkon, Rauchverbot. Laute Verkehrsadern und Licht. Immer noch ist es mir völlig schleierhaft, wie man ein Hotel zwischen eine Bahnstrecke, mehrere vierspurige Straßen und Brücken bauen kann. Ein Hotel für Menschen, die abends betrunken nach Hause kommen und morgens auf die Frankfurter Messe gehen wollen. Für die gut, für mich nicht.

Habe mich deswegen entschieden, das Hotel zu verlassen, ziehe nun ins FAZ-Gästehaus.

09. November 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: | Schreibe einen Kommentar

Architekturjournalismus

In der heutigen Redaktionssitzung fiel mir auf, wie viele Frauen sprechen – mehr als in der taz, wie ich einräumen muss.

Der Architekturredakteur bat mich nach der Sitzung darum, 25 Zeilen (eine Zeile sind so 30 Zeichen, also ungefähr 750 Zeichen) zur Elbphilharmonie, dem neuen Konzerthaus in der Hamburger Hafencity, zu schreiben. Da gibt es nämlich Streit um Bau-Verzögerungen. Ob und wie man weiterbaut, könnte ein Treffen zwischen der Realisierungsgesellschaft ReGe – eine hundertprozentige Tochter der Stadt Hamburg – und dem Baukonzern Hochtief klären. Das Treffen findet morgen statt.

An mehreren Stellen baut Hochtief gerade nicht – das Problem sei die Statik, sagt der Konzernsprecher und vermutet außerdem, die Stadt halte Informationen zurück. Hamburg weist das zurück und sagt, Hochtief verzögere aus finanziellem Interesse. Hochtief-Kritiker sagen, der Konzern sei eine “Rechtsabteilung mit kleinem, angeschlossenen Baubüro”.

Nachrichtentexte kann ich ja mal gar nicht, aber ich bemühte mich. Mal sehen, wieviel bei der Meldung geändert wurde – wenn etwas geblieben ist, habe ich dann also morgen ein paar kleine Zeilen in der FAZ.

09. November 2011 von julia
Kategorien: Kapital | Schlagwörter: , , | 1 Kommentar

Stuhlkreis im FAZ-Feuilleton

Allein in Frankfurt-Messe! Internet als Voucher! S-Bahn-Ratter-ratter, Auto-Shroom-shroom.

Horrornacht im Rauchfrei-Haus. Dass es kein Sushi zum Frühstück geben würde, hatte ich ja schon erwartet – aber mein großspuriges “Ich bin sehr anspruchslos, es ist mir egal, was ein Hotel kostet” nehme ich dann doch zurück. Schon allein die Idee, ein Hotel auf eine Art Verkehrsinsel zwischen eine Bahnstrecke und mehrere vierspurige Straßen zu bauen, ist verwunderlich. Die Person, die diese Entscheidung getroffen hat, verdient XXX—XXX. Und überhaupt, ein Zimmer ohne Minibar – wo gibt’s denn sowas!

So mache ich hier in Frankfurt also gleich die Prinzessin auf der Erbse. Dass ich so verwöhnt von bonzigen Hotels wäre, hätte ich wirklich nicht gedacht. Für zwei Wochen bin ich zur Hospitanz im Feuilleton bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ein Sehnsuchtsort, hatte ich doch bei Betroffenheits-Jauch aus dem Munde des FAZ-Feuilletonisten Peter Richter erfahren, dass “im Feuilleton viel getrunken” werde. Und “extra geraucht”. Sogleich träumte ich mich in eine Theater-Welt mit extra rauchenden Kulturtanten, wilden Diskussionen bei Rotwein und Wodka und mit ganz viel Lachen. Weiterlesen →

08. November 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: , , | 4 Kommentare

Gute Drogen, schlechte Drogen

Gerade kam die Nachricht rein, dass Amy Winehouse doch nicht am flauschigen Ecstasy gestorben ist, wie einige Sachkenntnislose mutmaßten, sondern an der perfiden Todesdroge Alkohol.

Zufällig dreht sich auch meine letzte Kolumne Bio um Drogen – ich habe am Wochenende nämlich ein wenig bei Twitter zum Bundesparteitag der Linken gelesen und über die Unklarheiten des Drogen-Beschlusses.

Dass mit Drogen viel Schindluder getrieben wird, ist ja schon länger bekannt. Und es war auch nicht das erste Mal, dass Drogen in meiner Kolumne vorkommen. Pestizid-Links eben!

Kolumnen mit Drogenbezug

28. Oktober 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Gehirn eingefroren

Es liegt bestimmt daran, dass wir nicht heizen. Bis ersten November soll die Heizung aus bleiben. Das führt zu Gehirnverlangsamung, ich kann nur noch ans Wetter denken. Schon in meiner Kolumne sinnierte ich darüber, ob meine Küchenkräuter “Schily” und “Thymian” noch lange draußen ausharren würden können.

Und noch kälter wird es beim Castor. Bestimmt noch kälter als letztes Jahr. Manche sagen, es sei erstmal der letzte Castortransport. Das klingt für mich, die Uninformierte, aber mehr wie ein Orakel aus dem sagenhaften Wendland. Sind die strahlenden Wellblechhütten am Zwischenlager etwa voll? Kommt die Polizei an ihre Grenzen? Oder ist doch nur die Castor-Sammelbestellungsliste für Gorleben abgearbeitet?

So oder so wird es spannend in Gorleben. Ich habe mir inzwischen schon ein halbes Ferienhaus gebucht – irgendwas will ich schreiben. Schreiben schreiben schreiben – rafff rafff rafff. Mal sehen, was.

Eigentlich sollte ich mir Gedanken über Geld machen. Aber das kann ich ja auch später noch.

Und, ach ja, wir haben es nicht geschafft: Noch ist Oktober. Da ist man mal einen Tag weg – und schon ist die Heizung an. Was solls, man sagt, da schimmelten schon die Pflanzen. Eine gute Begründung. Und die richtige Kältedosis gibt’s dann ja eh Ende November. Der Castor kommt – am ersten Advent.

Landpartie-Playlist

28. Oktober 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

Ich sag euch mal was, Netzfeministinnen!

Das beste zum Feminismus sagte mir die großartige Katja Husen: “Mach dir deinen eigenen Feminismus!”. Das ist so richtig und doch so queer.

Machen wir’s also queer, dezentral, bewusstseinsorientiert, persönlich. Mein eigener Feminismus beginnt in meiner Kindheit. Das beste, was meine Mutter für mich getan hat – und das ist groß – ist eine antisexistische Erziehung. Ich musste nicht mit Puppen spielen. Ständig erzählte meine Mutter mir, dass kaum eine Frau aussehe wie Barbie. Das nervte vielleicht! ich spielte deswegen bei meiner Nachbarin mit Barbie und ihren Pferden. Meine Mutter übertrieb es auch manchmal wirklich, zum Beispiel schnitt sie mir immer die Haare praktisch kurz. Und sie erzählte mir empört, dass kleine Mädchen bei uns auf dem Land mit der Geburt Ohrringe bekämen. Und dass es keine gute Idee wäre, sich nur noch für Jungen, Schminke und Kleidung zu interessieren anstatt für die Schule. Dazu gab sie mir viele feministische Bücher. Weiterlesen →

24. Oktober 2011 von julia
Kategorien: Kultur | Schlagwörter: , , | 34 Kommentare

Traumheim gesucht

Ein Stall im böhmischen Dorf, ein Öko-Haus an der Rummelsburger Bucht, ein Loft am Dreiländereck – oder einfach eine große Wohnung in Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain, Mitte oder auch anderswo im Innenstadtbereich. Benötigt sind etwa zehn Zimmer, nach Möglichkeit innerhalb des nächsten halben Jahres.

Angebote bitte an info@julia-seeliger.de, in den Kommentaren oder via Twitter/Facebook.

10. Oktober 2011 von julia
Kategorien: Kapital | Schlagwörter: , | 1 Kommentar

In dunklen grünen Ordnern

Eigentlich wollte ich heute ja mit der Neuinstallation meines Gehirns beginnen. In den letzten vier Wochen habe ich alle Kraft daran gesetzt, überzählige Gehirnzellen zu zerstören und auch noch den letzten Exzess mitzunehmen. Der Grund: Zwei Jahre lang hatte ich von morgens bis abends Artikel auf taz.de online gestellt und zwischendurch mal was Gehetztes geschrieben. Gesund ist das nicht.

Frohgemut begann ich heute morgen also mit dem Sortieren unserer Post, las die ver.di-Zeitung und freute mich schon auf das Mieter-Magazin, das noch wartete.

Und da begang ich den Fehler: ich nahm Läppi zu mir und schaltete ihn an. Nebendran der Kaffee, lauerte unten rechts eine Nachricht vom Thunderbird: auf der Mailingliste der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Kultur war etwas zu den Piraten gesagt worden. Weiterlesen →

07. Oktober 2011 von julia
Kategorien: Kapital, Kultur | Schlagwörter: , , , | 5 Kommentare

Segel gesetzt

Hach ja, und da ist sie schon wieder vorbei, meine Zeit bei taz.de. Lehrreich war es dort ja schon. Ich habe eine Menge gelernt über Journalismus und Online-Journalismus und auch über Kommunikations- und Macht-Beziehungen am Arbeitsplatz. Und meer credibility hab ich mir da vielleicht auch erworben.

Ab Januar muss ich mich dann anders finanzieren. Hier und da wird sicher ein Artikel dabei sein, ich werde in den nächsten Wochen mal schauen, wer welche kaufen möchte.

Es geht aber auch anders: Unter anderem werde ich zusammen mit meinem guten Freund Nils Dagsson Moskopp, kurz erlehmann, Webseiten machen. Als Referenz kann das Blog von Katrin Schmidberger dienen, das ich ihr kürzlich (unentgeltlich) aufgesetzt habe. Oder die Webseite von Reinhard Bütikofer, die ich für den Europawahlkampf 2009 aufgesetzt habe. Beides WordPress-Blogs. erlehmann kann wie ich WordPress und zusätzlich noch schönstes HTML5 und CSS.

Der Server ist bereit, ich habe Zeit, erlehmann auch – meldet euch. Es wird schön, zweinullig und zuverlässig. Und natürlich individuell.

28. September 2011 von julia
Kategorien: Kochen | Schlagwörter: , | 5 Kommentare

Kleidung sollte egal sein

Jetzt habe ich wohl mal wieder durch unverständliche Worte irgendwelche Menschen, zumindest bei den Grünen nehme ich das an, verärgert. Und nebenbei vielleicht auch meine Freundin Katrin geschädigt, indem ich sie ungefragt in der Kolumne nenne. So ein Ärger!

Dabei meinte ich es doch nur gut. Ich habe in den letzten Tagen nachgedacht über den Wahlerfolg der Piratenpartei, habe Analysen gelesen, war ja schon vor der Wahl im Piratenfernsehen und hab meine Meinung zu dieser Partei gesagt – nämlich, dass sie für gute Inhalte streitet und so lustig ist wie der Berliner Sommer, dass aber auch andere Parteien wählbar sind und dass ich für eine rot-grüne Koalition bin – und das Wahlkampfmaterial der Friedrichshain-Kreuzberger Grünen hochgehalten. Neidlos erkannte der Piraten-Moderator, Ex-Grüner und Hanfjournal-Herausgeber – an, dass dies “das beste Material im ganzen Wahlkampf” sei.

Ich bin auch jetzt der Meinung, liebe Parteien SPD, Grüne und Linke, dass der beste Umgang mit dieser Piratenpartei ein konstruktiver ist, aus eigenem Interesse. Selbst wenn sich die Piratenpartei wieder zerlegt, so hat ihr lokaler Erfolg in Berlin gezeigt, dass es ein Bedürfnis einer gewissen, internetmäßig denkenden Szene ist, sich politisch einzubringen. Dieses Bedürfnis existiert schon einige Jahre und es hätte den Parteien eigentlich möglich sein können, Strategien für diese Leute zu entwickeln – denn schon allein mit ihren Ideen und ihrem Engagement könnten sie die Parteien bereichern. Weiterlesen →

26. September 2011 von julia
Kategorien: Kapital, Kleidung & Lifestyle, Kultur | Schlagwörter: , , , , , , , | 18 Kommentare

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